17.09.2007 Dekanats-Partnerschaftssonntag stößt auf Interesse und regt zur Diskussion an

Tansania und die Partnerschaft mit dem afrikanischen Land standen am Sonntag in Schwanheim im Mittelpunkt. Mit einem Gottesdienst in der Evangelischen Kirche begann der Dekanats-Partnerschaftssonntag um 15 Uhr, den die Fachreferenten für Mission und Ökumene Pfarrer Dr. Hansjürgen Günther und Pfarrer Renatus Keller gemeinsam mit dem Gemeindepfarrer Dominik Kanka gestalteten.

Jedes Jahr findet der Dekanats-Partnerschaftssonntag an einem anderen Ort statt, in diesem Jahr war die Schwanheimer Kirchengemeinde Gastgeber. Der Sonntagnachmittag hat Interessierte über die Partnerschaftsarbeit des Evangelischen Dekanats Bergstraße mit dem Land in Ostafrika informiert.

Zu Gast war der tansanische Pfarrer Yoram Karusya aus Gladenbach, der Einblicke bot in die aktuelle Situation in dem Partnerland des Dekanats. Er ist Mitglied der Karagwe Diözese, die zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania gehört. Die Lutherische Kirche hat derzeit 20 Diözesen. Die Karagwe Diözese liegt im Nord-Westen von Tansania und hat mit dem Dekanat Gladenbach eine Partnerschaft

Sein Bericht drehte sich vor allem um die Armut in Tansania und ein aktuelles Problem das die Religionen und die Politik gleichermaßen betrifft. Wegen sinkender Kaffeepreise und vieler Flüchtlinge steigt das Elend. Tansania hat 36 Millionen Bewohner. Die tansanische Verfassung garantiert Religionsfreiheit, und die Regierung respektiert dieses Recht in der Praxis. In diesem Zusammenhang erstellt die Regierung keine religiösen Bevölkerungsstatistiken. Bis Ende des vergangenen Jahres ist geschätzt worden, dass 40 bis 45 Prozent Christen und 35 bis 40 Prozent Muslime dort leben. Der Rest sind afrikanische traditionelle Religionen.

In Zansibar sind etwa 99 Prozent der ganzen Bevölkerung Muslime. Auf dem Festland leben meisten Muslime in der Küstenregion und in den städtischen Gebieten. 80 bis 90 Prozent der Muslime sind Sunniten, die andere sind Shiiten. Unter den Christen sind Katholiken, Lutheraner, Maravianer, Anglikaner, Pfingstkirchen und viele Freikirchen.

Zwischen den Christen und den Muslimen besteht eine Art Konkurrenz, berichtete Karusya. Stromausfälle werden zur religiösen Diskussion, weil sie öfter am muslimischen Gebetstag passierten, als am christlichen Sonntag. „Dann gibt es andere Dinge, die auch wichtig sind“,meinte der Tansanier, der die Beziehung der beiden Religionen beschrieb. „Zum Beispiel, wie viel Christen und Muslime in der Schule und an der Universität sind, wie viel Christen und Muslime in der Regierung sind. Die Regierung versucht immer wieder, dass es keinen Streit gibt.“
Trotzdem gibt es Spannungen zwischen Christen und Muslims, insbesondere in der Großstadt. Zum Beispiel, leiht die Regierung Studenten Geld. Es gibt Studenten, die Theologie studieren wollen und sie haben gewünscht, dass die Regierung ihnen Geld leiht. Aber die Muslime haben gesagt, dass das Regierungsgeld nicht für christliche Ausbildung genutzt werden darf. Die Gemeinden aber können es sich nicht leisten die Ausbildung selbst zu finanzieren.

Ein anderes Beispiel: Die Muslime wollen, dass die Regierung die muslimischen Staatsgesetze, die Sharia, einführt. Mit diesen Staatsgesetzen werden die Hochzeiten der Muslime, Ehescheidung, Erbrecht, Religion und Gottesdienst und Status der Muslime geregelt. Die Regierung fing an zu diskutieren. Die Bischöfe der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania haben eine Eingabe geschrieben. „In dieser Eingabe sind vier Punkte wichtig“, so Karusya, „Erstens: Seit wir die Selbstständigkeit bekommen haben, hat die Regierung immer betont, dass sie keine Religion hat, und wir haben die Vorteile dieser Idee gesehen. Zweitens: Alle Dinge, die im Sinn des Gesetzes gemacht werden, werden aus Steuergeldern unterstützt. Das gilt für alle Religionen. Warum sollen wir darüber diskutieren oder akzeptieren, dass es vor dem Gesetz möglich sein soll, dass Amt und Gericht einer Religionsgruppe eingeführt und mit der Steuer aller Tansanier unterstützt wird? Drittens: Wenn die Sharia Staatsgesetz wird: Wollen die Muslime damit eine besondere Position in der Leitung dieses Landes? Viertens: Wie können die muslimischen Staatsgesetze die Frauenrechte schützen?“ Ob die Regierung bereits auf dieses Schreiben der Bischöfe reagiert hat, wusste der tansanische Pfarrer nicht.

Gerade auch der letzte Punkt war es, der bei den Gästen in Schwanheim für Aufregung sorgte. Ergänzt wurde sein Bericht im Anschluss von Bildern und Erfahrungen, die die Jugendlichen gemacht haben, die die tansanische Delegation im Frühjahr begleitete.