12.09.2007 Vom Ganges nach Seeheim - Abschied von Pfarrer Dr. Hansjürgen Günther

Für die „Mission vor der Haustür“ kam Pfarrer Hansjürgen Günter an die Bergstraße, am Sonntag wurde er nach 27 Jahren als evangelischer Gemeindepfarrer und vier Jahren als Pfarrer für Ökumene und Mission im Dekanat Bergstraße in den Ruhestand verabschiedet. Musikalisch begleitet wurde sein Abschied vom Dekanatsgospelchor Zwischentöne und vom evangelischen Kirchenkirchenchor, beide unter der Leitung von Marion Huth.

Pröpstin Karin Held überreichte ihm die Urkunde zur Entpflichtung, nicht ohne an seine Ordination zu erinnern, seine Amtseinführung im November 1973 – im gleichen Jahr hat Pfarrer Günther auch promoviert. Wie wird man jemandem gerecht, der in Wittenberg geboren wurden, der sein Studium unterbrach, um in Jordanien als Hauslehrer zu arbeiten, der seine erste Stelle zwar in der Nordhessischen Provinz antrat, dann aber nach vier Jahren als Theologiedozent in Kalkutta arbeitet, fragte die Pröpstin. Wie wird man jemandem gerecht, dessen Leben sich ausspannte zwischen Seeheim und Tansania, wollte sie wissen. Günther engagierte sich als Lehrpfarrer und stellvertretender Dekan im Dekanat Bergstraße. Als Fachreferent für Mission und Ökumene rief er ein AIDS-Waisen-Projekt ins Leben. Dieses Projekt ist aus der Partnerschaft zu Tansania entstanden.

Bei ihrer Suche nach einem passenden Geschenk ist die Pröpstin der Region Starkenburg einmal mehr fündig geworden. Ein Globus soll die Stationen seines Lebens zeigen und auch die geplante Südamerikareise umfassen. Auch für Gudrun Günther hatte sie etwas mitgebracht. Neben einem Strauß Blumen gab es ein fast 100 Jahre altes Gedicht über die Pfarrfrau.

Bei dem feierlichen Gottesdienst in der katholischen Kirche nutze Pfarrer Günther selbst die Gelegenheit, sein Verständnis von Mission, dem „christlichen Zeugnis unter Andersdenkenden“, noch einmal auf den Punkt zu bringen. Und von der Hoffnung, die der Glaube gibt, die Christen beseelt, zu sprechen. Er sieht es als die Pflicht der Christen an, ihre Stimme zu erheben gegen Kinderarbeit, Frauenhandel, Rüstungswahn oder Genmanipulation. Am Krankenbett sei es wichtig, Menschen zu begleiten und ihnen Hoffnung zu schenken, die ihnen die Krankheit raubt. Er selbst habe das am eigenen Leib erfahren dürfen, wie wichtig das ist. Kritisch nutzte er auch die Predigt, um die Kirchenleitung an die Hoffnung zu erinnern und auf statistischen Zahlen nicht die Zukunft zu bauen. Christus verwandle und reinige alle Religionen – daraus entstehe kein Absolutheitsanspruch des Christentum, sondern einer Christi und der lasse sich nicht einnehmen auch nicht von der Kirche.

Beim anschließenden Empfang im Pfarrer-Reith-Haus sprach Dekanin Ulrike Scherf, die gemeinsam mit dem Kirchenvorstandsvorsitzenden Volker Hartmann, dem Präses Axel Rothermel und Christel Fuchs vom Dekanatssynodalvorstand die Fürbitten betete, besonders von der Arbeit, die Günther über die Gemeindegrenzen hinaus geleistet hat. Auch Präses Rothermel lobte den langjährigen Gemeindepfarrer als Menschen, der um Grenzen weiß und Freiheiten verteidigt.

Viele Menschen kamen zu dem Empfang, um sich persönlich von Günther zu verabschieden. Den weitesten Weg hat ein Mitglied aus dem Kirchenvorstand seiner ersten Gemeinde auf sich genommen. Aus Nordhessen ist die Dame angereist. Von der katholischen Kirche war Pfarrer Dr. Werner Pelz, die politische Gemeinde war mit Dr. Walter Sydow vertreten, Die Pfarrerkollegen verabschiedeten sich in großer Zahl, Renatus Keller für das Haus der Kirche, Tabea Graichen für die Kollegen im Süden des Dekanates und Pfarrer Hans-Peter Rabenau für das ehemalige Dekanat Mitte. Nicola Benn-Wesp und Carsten Stein, die als Vikare bei Günther ausgebildet wurden.

Die Gruppe, die aktiv an der Tansaniapartnerschaft mitarbeitet und die ehemaligen Kirchenvorstände Dr. Georg Breidert und Dr. Trabitzsch ließen es sich nicht nehmen Lebe wohl zu sagen. Fehlen durften natürlich auch nicht Pfarrer Joachim Schließer, der als Gemeindepfarrer ebenfalls in Seeheim wirkt und sich vom „legitimen Nachfolger Petri“ mit einem Augenzwinkern verabschiedete und die zahlreichen Gemeindegruppen. Moderiert wurde der Nachmittag und Abend vom Kirchenvorstandsvorsitzenden Volker Hartmann.