21.06.2007 „Das Haus Erde gemeinsam schützen“ - Christlich-islamischer Dialog in der Sultan-Eyüp-Moschee

Der Erhalt der Erde spielt in der Politik eine immer größere Rolle. Auch die Kirchen verschließen die Augen vor den Problemen nicht. Die evangelische Pfarrerin Edith Unrath Dörsam sprach deshalb mit Imam Hilmi Ünügür in der Sultan-Eyüp-Moschee über den Schöpfungsbegriff in Christentum und Islam. Eingeladen hatte dazu der Arbeitskreis Christlich-Islamischer Dialog im Kreis Bergstraße. Die Verantwortung, die der Islam und das Christentum schon jetzt übernehmen und künftig noch verstärken sollten, war das Thema.
„Wir leben in dem gemeinsamen Haus Erde, das schon immer durch katastrophale Veränderungen bedroht ist. Davon erzählt die Bibel in vielen Geschichten“, leitete Unrath-Dörsam in ihren Vortrag ein. „Als Christen glauben wir, dass die Natur Gottes gewollte, gute Schöpfung ist“ und der Mensch „als Krone der Schöpfung“ die Aufgabe habe, zu bebauen und zu bewahren, erklärte sie den Muslimen die christliche Sicht. Die muslimische Haltung ist ähnlich, so Imam Hilmi Ünügür. Demnach gehören die Erde und das Weltall allen und müssen geschützt werden. Der Mensch habe die Aufgabe die Umwelt zu schützen und zu respektieren, damit diese „bis in alle Ewigkeit in ihrer Blüte erstrahlen kann“.
Die bedrohlich zunehmende Erderwärmung – vor allem von den Menschen verursacht – führe zu Klimakatastrophen, so die evangelische Pfarrerin. „Der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist gegenwärtig höher als jemals in den letzen 650.000 Jahren der Erdgeschichte“, fasste sie wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen.
„Die Zeit ist knapp, aber wir Menschen können noch viel tun, um unsere Umwelt zu retten.“ Sonst haben es künftige Generationen schwer, warnte sie. „Eine Erwärmung um drei Grad Celsius würde unser Ökosystem nicht verkraften. Wissenschaftler sagen, wenn wir sofort und energisch umsteuern in unserer Energiepolitik, dann können die Maßnahmen bis im Jahr 2020 Erfolg haben.“ Ein Beitrag im Kampf gegen die globale Klimakatastrophe könne auch durch enge Zusammenarbeit beider Religionen möglich sein.
Bei der evangelischen Kirche gibt es Entwicklungen, die auch für Muslime interessant und umsetzbar wären. Beim Kirchentag beispielsweise sank die Abfallmenge in diesem Jahr um 15 Prozent, der Wasserverbrauch um 25 Prozent und Papier wurde ein Fünftel weniger verbraucht.
„Es gibt viele Möglichkeiten, Energie zu sparen. In privaten Haushalten, Kirchengemeinden und kirchlichen wie diakonischen Einrichtungen können Energiekosten in hohem Umfang gesenkt werden“, so die Evangelische Pfarrerin. 300 evangelische Kirchengemeinden haben sich bereits dem Programm „Grüner Gockel/Grüner Hahn“ der Evangelischen Kirche Deutschland angeschlossen, bei dem ohne viele Investitionen bis zu 25 Prozent der Energiekosten einer Kirchengemeinde eingespart werden können.
Auch „Solarenergie auf Kirchendächern“ ist eine Möglichkeit, die Umwelt zu schützen und erneuerbare Energiequellen zu nutzen. Für die Muslime waren die Beispiele von Pfarrerin Unrath-Dörsam, die Natur zu schützen, interessante Denkanstöße.
Der christlich-islamische Dialog bot darüber hinaus im Vorfeld der Diskussion eine Führung durch die Moschee an und gab Einblicke in muslimische Zeremonien.
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