03.06.2007 Welches Bild hat der Islam von der Schöpfung? - Vortrag im Haus der Kirche

„Wer sich von seinem Herd entfernt auf der Suche nach Wissen, der geht den Weg Gottes.“ Mit diesem Zitat des großen Religionsstifters Mohammed eröffnete Dr. phil. Gabriele Berrer-Wallbrecht (Islamwissenschaftlerin aus Schriesheim) am Wochenende den gut besuchten Vortragsabend im Haus der Kirche. Thema dieser Sonntagabend-Veranstaltung war das „Bild der Schöpfung im Islam“, zu dem Christine Steigler, Fachreferentin für Bildung, die ca. 40 interessierten Teilnehmer begrüßte.

Gabriele Berrer-Wallbrecht nahm dabei das Publikum sehr lebendig mit auf die Reise in eine islamische Welt, in der Religion alle Lebensbereiche umschließt. Ausgehend von den Suren des Koran entfaltete die Referentin ein Bild des Islam, das sich weit von dem entfernt, was in unserer Öffentlichkeit so oft mit vielen klischeehaften Vorurteilen behaftet ist. „Islam“ bedeutet nach dem Religionsstifter Mohammed soviel wie „sich in den Willen Gottes ergeben.“ Mohammed selbst verstand sich als „Siegel der Religionen“, damit zugleich als „Beschließer“ der letzten Weltreligion. Eine der Kernaussagen darin lautet: „Alles, was geschieht, geschieht allein im Willen Gottes (Allahs)“. Daraus leitet sich die oft gehörte Redewendung „inch allah“ ab, die in etwa bedeutet: „wie Gott es will“.

Mit ihrem Hinweis auf die Lehren des Koran schlug die Referentin immer wieder auch einen Bogen zu den beiden anderen monotheistischen Religionen, zum Judentum und Christentum. Dabei machte sie deutlich, dass das Alte Testament und sein Gottesbild eine wesentliche Quelle der muslimischen Religion darstellt. Nicht nur in der Person des gemeinsamen Stammvaters „Ibrahim“ (hebr. Abraham) sondern auch in den Aussagen des Koran zum Verständnis des Schöpfungsglaubens wurde erkennbar, dass ein Dialog auf der Ebene der so genannten „Hochreligionen“ zu mehr Verständnis und gegenseitiger Toleranz beitragen könnte. Die augenblicklich erlebten gewaltsamen Auseinandersetzungen sind nach Meinung Berrer-Wallbrechts rein politischer Natur und stimmten in keiner Weise mit dem Gottesbild des Islam überein.

Der lang anhaltende Beifall am Ende eines hochspannenden und humorvollen Vortrags war der verdiente Lohn für Dr. Gabriele Berrer-Wallbrecht, die mit ihren Ausführungen – wie Christine Steigler in ihren Dankesworten ausführte – „Appetit auf mehr“ machte.