06.05.2007 „Irrsal und Wirrsal“ - Tag der Literatur im Haus der Kirche

„Irrsal und Wirrsal über Urwirbels Antlitz“ – diese Sprache ist es in ihrer urgewaltigen Ausdruckskraft und Rhythmik, die Martin Buber auszeichnet und seine Bibelübertragung so hörbar anschaulich macht. Dies war gewiss einer der Beweggründe, den das Evangelische Dekanat Bergstraße dazu veranlasst hatte, den diesjährigen vom Hessischen Rundfunk (hr 2) ausgerufenen „Tag für die Literatur“ unter dem biblischen Leitgedanken „Im Anfang war das Wort“ im Heppenheimer Haus der Kirche jenem bekannten jüdischen Philosophen zu widmen, der über viele Jahre in Heppenheim lebte und wirkte und an dessen Schaffen noch heute das „Martin-Buber-Haus“ unweit des Landratsamtes erinnert. Dem gegenüber stellten die Veranstalter an diesem Abend noch die altvertraute Bibelübersetzung Martin Luthers, ebenso die vieldiskutierte neue Bibelübertragung in der so genannten „gerechten Sprache“. In unterschiedlichen Textpassagen und von unterschiedlichen Lesern, u.a von der Darmstädter Schauspielerin Iris Stromberger, wurden die biblische Schöpfungserzählung, zwei Psalmen und der neutestamentliche „Prolog“ aus dem Johannes-Evangelium einem großen interessierten Zuhörerkreis an diesem Abend dargeboten. Dass diese Lesungen partiell auch in den jeweiligen Ursprachen, hebräisch, griechisch und lateinisch erfolgen konnten, gab der Veranstaltung eine besondere Farbigkeit.

Zu Beginn begrüßte Dekanin Ulrike Scherf die zahlreichen Teilnehmer, allen voran Landrat Matthias Wilkes, ebenso die mitwirkenden Theologen, Leser und Künstler, die dazu beigetragen haben, diesem Abend seine herausragende Note zu geben. Christine Steigler, Fachreferentin für den Bereich Bildung im evangelischen Dekanat, zugleich Initiatorin dieser Veranstaltung, dankte in ihren einführenden Worten insbesondere dem Ensemble der Musikschule Rimbach unter Leitung von Michael Valentin, das zwischen den einzelnen Textlesungen die Zuhörer sowohl mit typisch jüdischer Klezmer-Musik als auch Elementen mittelalterlicher Kirchenmusik die biblischen Worte meditativ unterbrachen. Zuvor gab Pfr. Friedhelm Pieber, Bad Nauheim, der frühere Leiter des Martin-Buber-Hauses in Heppenheim, eine kurze Einführung in Leben und Wirken des jüdischen Philosophen. Eine Vertonung des 121. Psalms von Prof. Heinz Ufer, dem Ehrenpräses des Dekanats, bildetet die Überleitung zu Martin Bubers Übersetzung jenes bekannten Psalms: „Zu den Bergen hebe ich meine Augen, woher wird meine Hilfe kommen?“

Zum Ausklang dieser außergewöhnlichen Veranstaltung zum „Tag für die Literatur“, der im übrigen vom Hessischen Wissenschaftsministerium eine besondere Förderung erfahren hatte, eröffnete Christine Steigler die eigens dazu initiierte Ausstellung mit Impressionen zu Martin Buber in Werken von Nicole Hilkert, Gorxheimertal und Prof. Spartak Paskalevskie, Sofia, ebenso mit Kalligraphien von Lothar Wittwer, Heppenheim.

Die Ausstellung im Haus der Kirche ist noch bis zum 1. Juli 2007 zu sehen, jeweils Dienstags und Donnerstags von 14 – 18 Uhr.