18.12.08 Auf Augenhöhe mit dem Kirchenpräsidenten

Fünf Jahre waren Sie Mitglied der Kirchenleitung. Ist es für Sie gut, dass diese Zeit im engsten Führungskreis vorbei ist oder hätten Sie gern weitergemacht?

Ich habe in der Kirchenleitung die Vielfalt unserer Kirche erst richtig kennen gelernt. Die ganze Bandbreite der Möglichkeiten hat mich sehr beeindruckt. Doch jetzt ist es gut, dass die fünf Jahre vorbei sind. Die Zeit war wichtig, aber es ist jetzt auch Zeit aufzuhören.

Obwohl mit Herrn Dr. Jung ein neuer Kirchenpräsident kommt?

Von den drei Kandidaten, die sich beworben hatten, kenne ich ihn am wenigsten. Aber die Art und Weise,  wie er sich vorstellte, fand ich bemerkenswert. Während der Synodentagung im November war er auch immer mit dabei, wenn wir abends in der Kneipe zusammen saßen - auch das gehört dazu. Ich habe ihn als sehr offen erlebt. Er hat sich angehört, welche Vorstellungen wir haben und was wir von ihm erwarten.  Dr. Jung hat einen anderen Zugang, eine ganz andere Art und ich hoffe, er wird sich damit in den Gremien durchsetzen können.

Bei den Sitzungen der Kirchenleitung handelt es sich ja nicht um Kaffekränzchen, zu denen man unvorbereitet hingehen kann. Wie anstrengend ist die Arbeit in dem Leitungsgremium?

Es war schon arbeitsaufwändig. Die Sitzungen all zwei bis drei Wochen dauerten jeweils von morgens bis in den Nachmittag. Hinzu kommen die Vor- und Nachbereitung. Ich habe die Materialien immer sehr gründlich durchgearbeitet. Ein bis zwei Tage pro Woche habe ich schon für die Tätigkeit in der Kirchenleitung investiert.

Dass die Synode, das Kirchenparlament, Vertreter in die Kirchenleitung wählt, gilt als praktizierte Demokratie in der EKHN. Haben sie dieses Amt so erlebt, dass Sie tatsächlich auf gleicher Augenhöhe mit dem Kirchenpräsident oder der Leiterin der Kirchenverwaltung arbeiten konnten?

Anfangs war ich schon etwas skeptisch, auch weil die Synode der Kirchenleitung ja stets etwas kritisch gegenübersteht. Aber in der Kirchenleitung gab es ein harmonisches Miteinander. Ich habe mich durchaus als gleichberechtigt empfunden. Was ich gesagt habe, wurde gehört und bedacht. Manchmal hat es Entscheidungen beeinflusst. Ich halte es für wichtig, dass Menschen direkt von der Basis, den Kirchengemeinden oder Dekanaten, ihre Erfahrungen einbringen können. Das sind nämlich nochmal andere Erfahrungen, als wie sie etwa Pröpste machen. Das ist schon ein Stück gelebte Demokratie. Die Überlegung, künftig nicht zwei, sondern vier Gemeindemitglieder in die Kirchenleitung zu schicken, halte ich aber für problematisch. Ich weiß nicht, ob sich dafür so viele finden lassen, die dazu bereit wären. Es war schon schwierig genug, eine Nachfolgerin für mich zu finden.

Haben sie in der Kirchenleitung Entscheidungen treffen müssen, die Ihnen schwer gefallen sind?

Das waren vor allem Personalentscheidungen. Einige Male hatten wir ein ungutes Gefühl und in zwei Fällen war es vielleicht die falsche Entscheidung, die wir getroffen haben. Es ist mir oft schwer gefallen, zu entscheiden, ob jemand die richtige Person für den Job ist. Ich habe mich dann auf andere verlassen. Ich denke, das ist nicht immer gut gegangen.

Wie empfinden sie das Verhältnis zwischen der Kirchenverwaltung in Darmstadt und der Kirchenbasis?

Das  empfinde ich mitunter als bedrückend. Ich sehe wie sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kirchenverwaltung abrackern –  über das normale Arbeitspensum hinaus. Sie arbeiten engagiert und das wird in der kirchlichen Öffentlichkeit kaum anerkannt. Ich denke, in den Gemeinden und  Dekanaten wird nicht immer wahrgenommen, dass auch die Kirchenverwaltung das Beste für unsere Kirche will. An einem besseren Miteinander von Verwaltung und Basis müssen wir intensiv arbeiten.

Sie selbst sind Sozialarbeiterin. Wie sind sie dazu gekommen, sich in der Kirche zu engagieren?

Anfangs wollte ich mir etwas suchen, was ich neben Kindern und Familie tun kann. Dabei bin ich auf eine sehr offene Kirchengemeinde gestoßen mit einem Pfarrer, der mich sehr beeindruckt hat. Da bin ich eingestiegen. Ich habe schnell bemerkt, dass die Ausbildung zur Sozialarbeiterin mir auch bei den verschiedenen Ehrenämtern zu Gute kommt. Mich hat schon während meiner Ausbildung  das Rechtliche interessiert, ich fand Gefallen daran, Strukturen und Verwaltungsabläufe zu entwickeln. Von daher habe ich mich auch dann auf die Arbeit in der Kirchenleitung durchaus vorbereitet gefühlt.

Ihre Amtszeit läuft offiziell am 31. Dezember aus. Was macht ein ehemaliges Mitglied der EKHN-Kirchenleitung ab Januar 2009?

Ich bleibe noch ein Jahr im Seeheimer Kirchenvorstand, werde dann aber auch dort aufhören. Ich stelle mich nicht erneut zur Wahl.  In der Gemeinde will ich mich weiter im Arbeitskreis Frieden engagieren, den Eine-Welt-Laden will ich weiter machen und mir dann noch etwas außerhalb von Seeheim suchen. Vorstellbar wäre etwa die Mitarbeit im Kirchenladen des Offenen Hauses in Darmstadt. Dort könnte ich meine Erfahrungen einbringen.


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