01.12.08   Neujahrsempfang: „Die Menschen sind der Schatz der Kirche“

Die evangelischen Dekanate Bergstrasse und Ried haben den Beginn des neuen Kirchenjahres mit ihrem traditionellen Empfang gefeiert. Dazu waren am Vorabend des 1. Advent rund 200 Gäste aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in die Lorscher Nibelungenhalle gekommen. In seinem Festvortrag hielt der Direktor der Theologischen Seminars Herborn, Prof. Dr. Peter Scherle, ein ebenso leidenschaftliches wie überraschendes Plädoyer „für eine mutige Kirche“.

Für die Kirche gebe es überhaupt keinen Grund verzagt zu sein, meinte Peter Scherle. Weder rückläufige Mitgliederzahlen noch die Finanzsituation rechtfertigten den vorhandenen Pessimismus. Denn das„größte Vermögen“ der Kirche seien die Menschen. Dieses Vermögen werde sich nicht erschöpfen. Der Theologe stellte klar: keine andere Organisation sei so nah vor Ort, keine andere erreiche so viele Menschen aus allen sozialen Schichten wie die Kirche. Das sei ein Verdienst von Millionen Ehrenamtlichen, die diese Kirche tragen und prägen. Nach Überzeugung von Peter Scherle verwirklicht sich der Glaube evangelischer Christen nicht allein in der Kirche, sondern auch imgesellschaftlichen Engagement. Sie hätten stets die ganze Wirklichkeit im Blick. „Wer sich selbst beschenkt weiß, kann nichtanders, als das weiterzugeben“. Sein Fazit: die Lage sei besser, als viele meinten; Christentum sei eine wirksame Religion und die Menschen seien „der eigentliche Schatz“ der Kirche.

Professor Scherle erfüllte damit die Erwartungen, die der Stiftungsratsvorsitzende Prof. Heinz Ufer eingangs so formulierte: „In Zeiten der Götterdämmerung – in der Lorscher Nibelungenhalle darf man so etwas sagen – uns Mut und Hoffnung zu zusprechen“.

Das Ev. Dekanat Bergstraße verlieh Erika Ritter aus Wald-Michelbach die Starkenburger Medaille. Es würdigte damit ihre Verdienste um den Aufbau des Hospiz-Dienstes im Dekanat Bergstraße. In ihrer Laudatio bezeichnete Ute Gölz vom Bergsträßer Dekanatssynodalvorstand die Begleitung Sterbender als „höchste Form christlicher Nächstenliebe“. In ihrer Dankesrede sagte Erika Ritter, die Auszeichnung mache sie verlegen. Sie wolle die Wertschätzung ihrer Arbeit deshalb mit jenen teilen, die ehrenamtlich Hospiz-Dienst leisteten. Zum Empfang in Lorsch hatte sie zahlreiche Hospiz-Helferinnen aus dem Überwald mitgebracht. In all den Jahren hatte Erika Ritter einen einzigen Mann für den Hospiz-Dienst ausgebildet.  Ein Umstand, den Ute Gölz zu dem Plädoyer veranlasste: „Meine Herren, das können auch Sie!“

Grußworte zum Neujahrsempfang sprachen der Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes, der stellvertretender Präses der EKHN-Synode, Dr. Ulrich Oelschläger und der Stadtverordnetenvorsteher von Lorsch, Christian Schönung. Staatsministerin a.D. Karin Wolf konnte persönlich nicht anwesend sein. Ihr Grußwort wurde von der Bergsträßer Dekanin Ulrike Scherf verlesen.

Die Jahreslosung für das neue Kirchenjahr stellte die Starkenburger Pöpstin Karin Held vor. “Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ Die Erfahrung habe immer wieder gezeigt, dass Menschen  mit ihrem Machbarkeitswahn an ihre Grenzen stoßen, so Pröpstin Held.  Das Bibelwort führe den Blick weg von unseren eigenen, begrenzten  Möglichkeiten. Es ermutige dazu, Gottes Möglichkeiten neu zu entdecken.

Musikalisch gestaltet wurde der Empfang zum neuen Kirchenjahr von der Evangelischen Kantorei Bensheim unter Leitung von Konja Voll und dem Posaunenchor Schlierbach, der von Alfred Rettig dirigiert wurde. Im Anschluss an den Empfang lud die Dekanatsstiftung zum gemeinsamen Abendessen ein.

Foto: Dekanin Ulrike Scherf und Präses Axel Rothermel verleihen Erika Ritter (links) die Starkenburger Medaille
Text und Foto: bet