08.11.08 Herbsttagung der Dekanatsysynode

Die Synode des Evangelischen Dekanats Bergstraße hat bei ihrer Herbsttagung in der Heppenheimer Christuskirche einen neuen stellvertretenden Dekan gewählt. Bereits im ersten Wahlgang konnte sich der Zotzenbacher Pfarrer Hermann Birschel gegen seine Mitbewerberin Pfarrerin Tabea Graichen aus Affolterbach durchsetzen. Auf ihn entfielen 70 von 98 abgegebenen Stimmen.

Hermann Birschel will seine langjährigen Erfahrungen in den Dienst des Dekanats stellen. Nach 16 Jahren als Gemeindepfarrer in Rimbach hatte er im Zentrum Verkündigung der EKHN Lektoren und Prädikanten, also ehrenamtliche Prediger, ausgebildet. Ein Markenzeichen von Pfarrer Birschel ist, dass er frei, ohne Manuskript, predigt. Nach zehn Jahren übernahm er dann wieder ein Gemeindepfarramt in Stockstadt am Rhein und war dort zugleich in der Altenheimseelsorge tätig. Im Sommer dieses Jahres kehrte in den Odenwald zurück und wurde Pfarrer in Zotzenbach. Als stellvertretender Dekan will Hermann Birschel die Kirchengemeinden unterstützen und dazu beitragen, dass das Dekanat in der Region Profil zeigt. Im Januar kommenden Jahres wird er seinen Dienst als stellvertretender Dekan beginnen. Dafür wurde eine halbe Stelle eingerichtet, mit der weiteren halben Stelle bleibt er Gemeindepfarrer in Zotzenbach. Der Kirchenvorstand dort hatte seine Kandidatur zum stellvertretenden Dekan begrüßt.

Der bisherige stellvertretende Dekan, Pfarrer Frank Nocher (Viernheim), arbeitete als Vertreter von Dekanin Ulrike Scherf „ehrenamtlich“. Weil die Kirchenleitung immer mehr Aufgabe an die Dekanate delegiert, hatte die Evangelische Kirchen in Hessen und Nassau (EKHN) entschieden, für große Dekanate eine halbe Stelle für den stellvertretenden Dekan einzurichten. Das Dekanat Bergstraße ist mit 34 Kirchengemeinden und 78.000 Mitgliedern das größte in der Propstei Starkenburg.

Die zusätzliche halbe Freistellung für den stellvertretenden Dekan führe zu einer weiteren Verbesserung und Professionalisierung, sagte der Vorsitzende der Dekanatsynode, Präses Axel Rothermel. Er hatte zur Eröffnung der Herbsttagung einen Rückblick auf die zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten des Evangelischen Dekanats im vergangenen halben Jahr gegeben. Dies alles sei nur möglich gewesen, weil es „Menschen gibt, die säen und die ausreichend Saatgut, nämlich Kraft und Zeit zur Verfügung stellen. Und ich weiß, das dies in den Kirchengemeinden genauso ist“, so Präses Rothermel.

Die Synode befasste sich auch mit dem Entwurf für eine neue Kirchenordnung. Sie ist das „Grundgesetz“ der EKHN. Als Gastreferent stellte Dekan Hans-Martin Heinemann aus Wiesbaden die wichtigsten Änderungen vor, zu denen bis Ende des Jahres die Dekanate und Kirchengemeinden Stellungnahmen abgeben können. Kritisch wird nicht nur im Dekanat Bergstraße die geplante Abschaffung des Leitenden Geistlichen Amtes gesehen. Dieses Kollegialorgan bestehend aus Kirchenpräsident und Pröpsten ist eine Besonderheit der EKHN. Nach dem Entwurf für eine neue Kirchenordnung soll der Bischofstitel eingeführt werden wie in andere evangelischen Landeskirchen. Darin sieht Dekan Heinemann kein Problem. Er sagte: „Wir bleiben Pfarrerinnen und Pfarrer, auch wenn wir Bischöfin oder Bischof heißen“. Etliche Synodale des Dekanats Bergstraße fürchten dagegen, dass das Bischofsamt zu einer stärkeren Hierarchisierung führen und die innerkirchliche Demokratie beeinträchtigen könnte.

Einigkeit gab es bei der Verabschiedung des Haushaltsplans für 2009. Wie der für Finanzen zuständige Pfarrer Thomas Blöcher (Reichenbach) vom Dekanatssynodalvorstand erläuterte sieht der Haushalt für das kommende Jahr ausgeglichene Einahmen und Ausgaben von rund 1.683.000 Euro vor. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 375.000 Euro. Gründe dafür sind laut Pfarrer Blöcher Tariferhöhungen, das neue Zuweisungssystem der EKHN sowie neue Verordnungen und Aufgaben für das Dekanat. Der Haushaltsplan wurde einstimmig verabschiedet.

Aus aktuellem Anlass untermauerte Dekanin Ulrike Scherf die Kritik an den geplanten Ladenöffnungszeiten am Sonntag in drei Kommunen des Landkreises Bergstraße. Der Sonntag sei nicht nur für Gottesdienstbesucher wichtig. Es gehe auch um die Unterbrechung des Alltags und die Möglichkeit, auszuruhen und gemeinsame Zeit mit der Familie und Freunden verbringen zu können. Die geplante Aushöhlung des Sonntagschutzes in Auerbach hatte Dekanin Scherf in Abstimmung mit den örtlichen Kirchengemeinden in einem Schreiben an die Stadt Bensheim kritisiert. Ähnliche Bestrebungen für zusätzliche Ladenöffnungszeiten an Sonntagen gibt es in Lindenfels und Lautertal.

Die Dekanatssynode berief ebenfalls ohne Gegenstimme Pfarrer Dominik Kanka (Schwanheim) zum neuen Beauftragten für die Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Eisleben in Sachsen-Anhalt. Zur neuen Beauftragten für den Kindergottesdienst wurde Katja Folk berufen. Auch sie wurde einstimmig gewählt.

Im Gottesdienst zu Beginn der Dekanatsynode wurden vier neue Mitarbeiter eingeführt. Christian Rupp (Fundraising) und Berndt Biewendt (Öffentlichkeitsarbeit) haben ihren Dienst im Dekanat Bergstraße bereits begonnen, die Verwaltungsfachkraft Annette Siegel und die Referentin für gesellschaftliche Verantwortung Barbara Köderitz werden demnächst folgen.

Das Bild zeigt Präses Axel Rothermel bei der Eröffnung der Dekanatssynode in der Christuskirche Heppenheim
Text und Foto: bet