08.11.08 Stiften tut gut

Die Stiftung Orbishöhe und die Evangelische Kirchengemeinde sowie die politische Gemeinde Wald-Michelbach ziehen an einem Strang. Mit der Ausstellung „Stiften tut gut“ im Rathaus von Wald-Michelbach wollen sie die Stiftungskultur fördern.

Das Ausstellungs-Motto sei durchaus wörtlich zu nehmen, meint Pfarrer Rüdiger Bieber (Bild). Er ist Projektleiter der Stiftungsinitiative der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und wird in die Ausstellung im Rathaus von Wald-Michelbach einführen. Dabei sollen keineswegs ausschließlich Millionäre angesprochen werden. Im Gegenteil! „Kirche hat schon immer die Erfahrung gemacht: Wenn viele kleine Hände sich zusammentun, werden alle satt“, sagt Pfarrer Bieber. Kirchliche Stiftungen könnten im Strom der Zeit die Gewähr der Dauer bieten. Als gutes Vorbild nennt der Pfarrer aber auch die vielen Bürgerstiftungen, die von Normalverdienern als Gemeinschaftsstiftungen errichtet wurden.

Stiften tue auch auf dem Land gut, davon ist die Kirchenvorstandsvorsitzende der Ev. Gemeinde Wald-Michelbach, Ute Gölz, überzeugt. „Die Lebenssituation bei uns hat sich verändert. Früher lebten drei bis vier Generationen unter einem Dach. Heute gibt es immer mehr Single-Haushalte, Alleinerziehende und auch einsame Menschen“. Das seien neue Herausforderungen. Das Evangelische Dekanat Bergstraße wolle deshalb die Mehrgenerationenarbeit fördern. Als ein Standort ist Wald-Michelbach im Gespräch. Dort könnte mit bereits bestehenden Initiativen zusammengearbeitet werden, betont Ute Gölz. In der Mehrgenerationenarbeit könnten auch Stifter ein wichtiges und sinnvolles Betätigungsfeld finden.

Der Bürgermeister der Gemeinde Wald-Michelbach, Joachim Kunkel, hält Stiftungen auf dem Land oft für notwendiger als im städtischen Bereich. Angesichts der Strukturkrise und der Finanzschwäche der Kommunen könnten Stiftungen in ländlichen Regionen Projekte initiieren, die sonst nicht realisiert werden. „Ich freue mich über die Aktivitäten der Evangelischen Kirche, das Stiftungswesen voranzubringen“, so der Bürgermeister. Die Ausstellung könnte ins Bewusstsein rufen, wie wichtig und nachhaltig Stiftungen seien.

Der Beiratsvorsitzende der Stiftung Orbishöhe und Präses des Ev. Dekanats Bergstraße, Axel Rothermel, weiß aus eigener Erfahrung, dass stifterisches Engagement nicht nur einiges in Bewegung setzen kann. „Stiftungen bieten auch die Möglichkeit, langfristig Gutes zu tun.“ Die Stiftung Orbishöhe etwa unterstütze Kinder und Jugendliche in besonders schwierigen Lebenssituationen vor allem in der Region Starkenburg. Die jungen Menschen sollen dadurch in die Lage versetzt werden, ihr Leben zu meistern und ihre Zukunft zu gestalten. Präses Rothermel: „Die Grundlage unseres Engagements sind christliche Werte. Wir orientieren uns am diakonischen Auftrag.“ Für Christen sei Stiften eine Form der Nächstenliebe. Genau dazu, so Axel Rothermel, wolle die Ausstellung in Wald-Michelbach anstiften.

Die Hessische Landesregierung unterstützt die gemeinsame Initiative der Evangelischen Kirche, der Gemeinde Wald-Michelbach und der Stiftung Orbishöhe. Die Ausstellung in Wald-Michelbach wurde in Anwesenheit von Sozialministerin Silke Lautenschläger eröffnet.

Die Ausstellung „Stiften tut gut“ will über neue wie über traditionsreiche Stiftungen informieren. Auf den Schautafeln werden einzelne Stiftungen und ihr Stiftungszweck vorgestellt – darunter auch die älteste Stiftung in Hessen. Sie wurde 1417 von Freiherr Gerlach von Breidenbach zu Löwenstein und dem Gemahl seiner Stieftochter, Hermann von Löwenstein, gegründet. Die beiden Stifter finanzierten den Bau eines Siechenhauses vor den Toren von Biedenkopf. Eine Stiftung mit Langzeitwirkung über fast sechs Jahrhunderte. Es war der Anfang der inzwischen traditionsreichen Hospitalstiftungen. Die Ausstellung ist im Rathaus von Wald-Michelbach, In der Gass 17, bis zum 21. 11. während der üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

 

Das Bild zeigt Pfarrer Rüdiger Bieber
Text: bet