04.11.08 "Klinikseelsorge gehört zum Wesen der Kirche"

Dekanin Ulrike Scherf hat Pfarrerin Karin Herrmann-Brandenburg als neue Krankenhausseelsorgerin in ihr Amt eingeführt. Sie ist sowohl im Kreiskrankenhaus Jugenheim als auch im Heilig-Geist-Hospital Bensheim tätig.

Bei dem Gottesdienst in der Bensheimer Hospitalkirche erinnerte Dekanin Scherf daran, dass Klinikseelsorge zum Wesen der Kirche gehöre. Gerade in Grenzsituationen zwischen Krankheit und Gesundheit stellten viele Patienten Fragen nach dem Sinn und Zweck des Lebens. Dabei sei die Seelsorge gefordert.

Sie sei dankbar, dass Klinik und Kirche Räume zur Verfügung stelle, um sich den Fragen und Problemen der Patienten annehmen zu können, sagte Pfarrerin Herrmann-Brandenburg in ihrer Predigt. Oft gehe es um existentielle Fragen, die lange verdrängt wurden und sich Krankenhaus wieder Bahn brechen. Gut zuhören können ist nach Ansicht der Pfarrerin eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Klinikseelsorge. Dabei findet sie sehr unterschiedliche Bedingungen vor. In Jugenheim hat sie es vor allem mit Patienten der Neurologischen Reha zu tun. Sie bleiben mindestens drei Wochen, manche Schlaganfall-Patienten bis zu acht Wochen. Hier geht keiner so weg, wie er gekommen ist“, meint die Pfarrerin. Viele Patienten müssten ihre Lebensgewohnheiten von Grund auf umstellen und neu ordnen. Das Heilig-Geist-Hospital in Bensheim ist dagegen ein Krankenhaus der Regelversorgung. Die meisten Patienten bleiben bis zu ihrer Entlassung nur wenige Tage. Aber auch dort kann es zu existentiellen Krisen kommen, etwa wenn die Diagnose Krebs lautet. Der Bedarf an Gesprächen, an Kontakt, an Trost und Zuspruch sei mitunter sehr groß.

Pflegekräfte weisen die Krankenhauspfarrerin daraufhin, wenn ein Patient Beistand benötigt, einsam ist oder ausdrücklich ein Gespräch wünscht. Ansonsten wartet Karin Herrmann-Brandenburg nicht ab, bis sie angefragt wird. Sie geht von Zimmer zu Zimmer und sucht den Kontakt zu den Patienten. In beiden Kliniken arbeitet Karin Herrmann-Brandenburg eng mit ihren katholischen Kollegen zusammen. In einem Grußwort zu ihrer Einführung sagte der katholische Dekan, Thomas Groß, bei kranken Menschen spiele die Konfession keine oder nur eine untergeordnete Rolle. So sei das Heilig-Geist-Hospital auch nicht in erster Linie ein katholisches, sondern vielmehr ein christliches Krankenhaus.

Bevor sich Karin Herrmann- Brandenburg auf die Klinik-Seelsorge spezialisierte, war sie als Pfarrerin in der Nieder-Ramstädter Diakonie, als Referentin beim Diakonischen Werk in Hessen und Nassau und als Schulpfarrerin in Offenbach tätig.

Das Foto zeigt Pfarrerin Herrmann-Brandenburg bei ihrer Einführung in der Hospitalkirche Bensheim
Text u.Foto: bet