25.09.2008 Bischof oder Kirchenpräsident ?


Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wählt am Samstag (27.09.) in Frankfurt den neuen Kirchenpräsidenten. Vor der Wahl standen die Synodal-Vertreter aus dem Dekanat Bergstraße im Heppenheimer Haus der Kirche Rede und Antwort: Soll es beim Amt des Kirchenpräsidenten bleiben oder braucht die EKHN wie andere evangelische Landeskirchen künftig einen Bischof?
Ob Kirchenpräsident oder Bischof - über Titel und Bezeichnungen wollten die Synodalen bei der von Präses Axel Rothermel moderierten Podiumsdiskussion erst gar nicht streiten. Ihnen geht es um Inhalte. Und dabei waren sie sich einig: einen Bischof lehnen sie ab, wenn - wie im Entwurf für die neue Kirchenordnung vorgesehen - dieses Amt mit einer hierarchischen Kirchenstruktur verknüpft ist.
Der Landessynodale Christian Kupfer (Heppenheim) hält es durchaus für angebracht, die alte, seit 1949 geltende Kirchenordnung zu durchforsten und zu reformieren. Ein Bischofsamt aber lehnt er ab. Denn damit sei eine neue Organisation der Kirche verbunden.
Erich Nauth, Synodaler aus Zotzenbach meinte, mit einem Bischof werde die Kirche von oben nach unten regiert. „Dieses Ansinnen ist für mich katholischer als katholisch.“ Burkard Hotz, Pfarrer und Landessynodaler aus Rimbach pflichtete bei: „Es ist der Ertrag aus dem Kirchenkampf, dass es keine hierarchische Kirchenspitze gibt“. Die Synodale Hildburg Baehr (Viernheim) meinte: „Wir werden um unsere demokratische Verfassung von anderen Landeskirchen beneidet“. Das Erbe Martin Niemöllers müsse erhalten bleiben.
Bei der Talkrunde diskutierten die Synodalen auch die Perspektive 2025 - ein noch in Abstimmung befindliches Zukunftsprogramm der EKHN. Gemeindemitglieder kritisierten, dass die Zahl der Pfarrstellen weiter reduziert werden solle. Der Pfarrer und Landesynodale Dr. Christoph Bergner (Bensheim) meinte dazu: „Viel gravierender ist, dass es in naher Zukunft viel zu wenig Pfarrerinnen und Pfarrer geben wird.“ Ab dem Jahr 2016 wurden jährlich bis zu 120 Gemeindepfarrer in den Ruhestand gehen. Nach den Prognosen könnten aber nur 30 neue eingestellt werden, weil es zu wenig Theologiestudenten gebe.

Text u. Foto: Berndt Biewendt

Das Foto zeigt von links nach rechts: Christian Kupfer (Heppenheim), Erich Nauth (Zotzenbach), Hildburg Baehr (Viernheim), Burkard Hotz (Rimbach), Moderator Axel Rothermel (Präses Dekanat Bergstraße), Dr. Christoph Bergner (Bensheim), Thomas Krüger (Bensheim)