24.09.2008 Dekanatskonferenz: Medizin-ethische Konflikte im Krankenhaus


Ein dementer Patient verweigert jegliche Nahrungsaufnahme. Will er damit zum Ausdruck bringen, dass er nicht mehr leben möchte? Oder ist er sich über die Folgen und die Dimension seiner Weigerung gar nicht im Klaren. Die Ärzte stehen vor der Frage, ob sie ihn mit einer PEG-Sonde künstlich ernähren müssen. Mit solchen und anderen medizin-ethischen Konflikten im Krankenhausalltag. befasste sich das Evangelische Dekanat Bergstraße auf einer ganztägigen Konferenz. Die Pfarrerinnen und Pfarrer sowie andere Dekanatsmitarbeiter tagten dafür eigens im Kreiskrankenhaus Heppenheim.

Pfarrer Dr. Kurt Schmidt (Foto) vom Zentrum für Ethik der Medizin in Frankfurt - eine in Deutschland einmalige Einrichtung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau - erläuterte an praktischen Beispielen, dass es für medizin-ethische Konflikte keine Patenlösung gebe. So sei 1962 in Seattlle (USA) erstmals ein Dialyse-Gerät eingesetzt worden. In der Folge habe sich gezeigt, dass es für die wenigen Geräte viel zu viele Patienten gibt. Daraufhin wurde eine siebenköpfige Kommission eingesetzt, die darüber entschied, welcher Patient eine Dialyse-Behandlung erhält. Neben Dringlichkeit, Heilungschancen und Wartezeit war ein weiteres Auswahlkriterium , ob sich der Patient zuvor soziale Verdienste erworben hatte und damit „würdig“ war, an ein Dialyse-Gerät angeschlossen zu werden.

„Für uns ist das heute undenkbar“, meinte Kurt Schmidt. Viele medizin-ethische Konflikte würden nach seiner Überzeugung gar nicht erst entstehen, wenn die personelle, finanzielle und technische Ausstattung besser wäre. Nur seien die Ressourcen auch in Deutschland begrenzt. Und das liege nicht nur am Geld. Als Beispiel nannte Kurt Schmidt die Organtransplantation. Es gebe viele Patienten, die auf ein neues Organ hoffen, aber viel zu wenig Organspender. Wer also soll zum Zuge kommen? Nach Ansicht von Kurt Schmidt müsse ein breiter gesellschaftlicher Konsens hergestellt werden, wie angesichts knapper Ressourcen medizinethische Konflikte gelöst werden?

Das Kreiskrankenhaus Heppenheim hat dafür eigens ein Ethik-Komitee eingerichtet. „Wir versuchen konkrete Einzelfälle zu lösen“, erklärte Krankenhausseelsorgerin Silke Bienhaus (Foto).. Das Ethik-Komitee könne z.B angerufen werden, wenn es zwischen Ärzten und Pflegern einen Konflikt über eine Behandlungsmethode gebe oder wenn Angehörige eines Patienten nicht mit der medizinischen Behandlung einverstanden seien. Dann, so Silke Bienhaus, werde der Fall mit den Beteiligten durchgesprochen und versucht einen Weg zu finden, der allen gerecht wird.

Text u. Foto: Berndt Biewendt