AKTUELL: Kandidaten gesucht

Bis zu den Kirchenvorstandswahlen am 21. Juni 2009 ist zwar noch viel Zeit, doch die Erfahrung hat gezeigt: eine ausreichende Zahl an geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, ist oft schwer. Bei einem ersten Arbeitstreffen im Evangelischen Dekanat Bergstraße ging es denn auch um die Kandidatensuche.

Christel Fuchs ist seit 1986 im Kirchenvorstand der Heilig-Geist- Gemeinde in Heppenheim. Sie will nächstes Jahr erneut kandidieren. und ist optimistisch, dass sich auch genügend andere Bewerber aufstellen lassen. „Es macht Freude, das Gemeindeleben mitgestalten zu können,“ sagt Christel Fuchs.. Die Arbeit im Kirchenvorstand wachse ihr nicht über den Kopf. „Ich habe gelernt auch mal Nein zu sagen.“

Öfter mal Nein sagen, das würde Martina Bauer aus Schlierbach im Odenwald auch gerne. Nur die Pfarrstelle dort ist vakant. So kommt derzeit auf den Kirchenvorstand mehr Arbeit zu als üblich. „Etwa sechs Stunden pro Woche arbeite ich zur Zeit für die Gemeinde“, sagt die 41 jährige. Üblich sind je nach persönlichem Engagement eine bis drei Stunden pro Woche. Mit der Teilnahme an der monatlichen Sitzung des Kirchenvorstandes ist es in der Regel nicht getan. Hinzu kommen die Arbeit in Ausschüssen, zum Beispiel für Finanzen, Jugendarbeit oder Kindertagesstätte sowie weitere Gemeindeaktivitäten. Die Teilnehmer am Arbeitstreffen im Evangelischen Dekanat waren sich jedenfalls einig: potentiellen Kandidaten müsse man reinen Wein einschenken und den Arbeitsumfang offen benennen.

„Es wird nicht leicht, Gemeindemitglieder für eine Kandidatur zu gewinnen, wenn sie nicht wissen, mit welchem Pfarrer sie es zu tun haben werden“, sagt Carmen Zimmermann vom Kirchenvorstand der Stephanus-Gemeinde in Bensheim. Auch dort ist die Pfarrstelle vakant. Für Carmen Zimmermann kommt es entscheidend darauf an, dass die Chemie zwischen Kirchenvorstand und Pfarrer oder Pfarrerin stimme. Denn Kirchenvorstandsitzungen sind kein Gebetskreis. Dort werden mitunter knallharte Entscheidungen getroffen – etwa bei der Besetzung von Stellen oder der Dienstaufsicht über die Gemeinde-Angestellten. Das gilt als Markenzeichen der Evangelischen Kirche. Die Basis, die Gemeinden sollen mitreden und mitentscheiden.

Ein Kirchenvorstand braucht Entscheidungsfreude und muss dafür Konfliktbereitschaft mitbringen. Klaus Herzog von der Christus-Gemeinde in Viernheim ist seit elf Jahren im Kirchenvorstand „Ich habe in meinem Leben viel von der Gemeinde bekommen und mir gesagt, wenn du beruflich nicht mehr so stark belastet bist, kannst du der Gemeinde etwas zurückgeben“, sagt der 71jährige. Im nächsten Jahr wird er wohl wieder antreten.

Bei der letzten Kirchenvorstandswahl 2003 war die Evangelische Gemeinde Zwingenberg eine von 15 Gemeinden innerhalb der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), bei denen die Kirchenvorstandswahlen zu scheitern drohten. Es fanden sich einfach nicht genügend Kandidaten. Das waren nervenaufreibende Monate, erinnert sich Pfarrer Bernhard Dienst. Buchstäblich in letzter Sekunde konnten dann doch noch Kandidaten gewonnen werden. Am Ende waren es vier mehr als nötig. Pfarrer Dienst sagt: „So einen Nervenkitzel will ich 2009 nicht noch mal erleben“.

Text: Berndt Biewendt
Foto: EKHN