26.08.08 TRAURIGER ABSCHIED VON JEMENITISCHER FAMILIE

Kein Abschied wie jeder andere war für Mitschüler, Nachbarn, Freunde und Wegbegleiter der Abschied von der jemenitischen Familie Alwahashi aus Gorxheimertal. Hilflosigkeit und Trauer mischten sich mit Zorn und Unverständnis bei den Besuchern der Andacht, die am Sonntagabend in der evangelischen Kirche Gorxheimertal zum Gedenken an die neunköpfige Familie gehalten wurde.
Am 30. Juli wurden die Eltern mit ihren sieben Kindern nach 9 Jahren Aufenthalt in Deutschland aus Gorxheimertal abgeschoben. Den größten Teil ihres Lebens in Deutschland hatten sie in Gorxheimertal verbracht. Die jüngeren Kinder hatten hier im Ort den Kindergarten und die Grundschule besucht. Die drei Ältesten hatten auf der Eugen-Bachmann-Schule in Wald Michelbach nicht nur Freunde gefunden, sondern sich auch in ihre jeweiligen Klassengemeinschaften gut integriert. Nach der Bleiberechtsregelung aus dem Jahre 2006 gibt es die Möglichkeit für integrierte ausländische Familien, die länger als sechs Jahre in Deutschland leben, eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Die Bedingungen dafür erfüllte die Familie Alwahashi und daher kam Abschiebung für die Familie und wie für die Mitarbeiterinnen von Caritas und Evangelischer Kirche völlig überraschendAuch die Ausländerbehörde hatte sie im Glauben gelassen, dass die Aufenthaltsgenehmigung betrieben werde.
Das Gedenken wurde von Gemeindepfarrerin Tabea Graichen und Pfarrerin Edith Unrath-Dörsam (Profilstelle für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat Bergstraße) begleitet. Die Besucher, unter denen Eltern und Mitschüler der Alwahashi-Kinder waren, Mitarbeiterinnen der Caritas, die die Familie betreut hatten und Angehörige des Arbeitskreises Asyl aus Heppenheim brachten ihre Bestürzung und ihr Entsetzen über die Abschiebepraxis unter großem Polizeiaufgebot mitten in der Nacht. Kinder und Erwachsene schrieben Wünsche und gute Gedanken für die Familie Alwahashi auf bunte Blätter und legten sie zu den Namenskärtchen, die unter blühenden Sonnenblumen zum Gedenken einluden. Jetzt hoffen alle, die die Familie kannten und die bis jetzt nur unbefriedigende Telefonkontakte herstellen konnten, dass bald eine Adresse ausfindig gemacht werden kann, unter der der Kontakt zur Familie gehalten werden kann.

Text und Foto: Tabea Graichen