20.06.2008 Fit for Job – Initiative für Schüler geht in eine neue Runde - Paten gesucht


Glücklich sitzen Annika Hölzel und Florian Rienecker im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirche in Alsbach. Noch vor wenigen Wochen war die Stimmung nicht so gut, denn Annika und Florian waren auf der Suche nach Ausbildungsplätzen aber beide wurden fündig. Ganze eineinhalb Jahre hat Florian auf diesen Moment gewartet. Der 17-Jährige hat sich in dieser Zeit zwar weitergebildet, aber eigentlich wollte er nie etwas anderes als eine Ausbildungsstelle. Dass er im Sommer die Lehre beginnen kann, verdankt er auch Robert Müller.

„Alleine hätte ich es nicht geschafft“, meint Florian. „Wir haben nicht aufgegeben, bevor ich etwas hatte.“ Mit „wir“ meint Florian sich selbst und Robert Müller. Denn Müller ist Pate beim Projekt Fit for Job. Fit for Job, das ist Coaching von Hauptschülern an der Melibokusschule Alsbach durch Ehrenamtliche. Fit for Job bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, sich durch einen ehrenamtlichen Coach/Paten unterstützen zu lassen und dabei die eigenen Stärken und Schwächen kennen zu lernen. Außerdem können sie ausprobieren, was ihnen liegt und was nicht, Fragen der Berufswahl besprechen, Hilfe bei der Erstellung einer Bewerbungsmappe zu bekommen und sich auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten.

Initiiert wurde Fit for Job vom Evangelischen Dekanat Bergstraße. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Alsbach, der Melibokusschule Alsbach und der Gemeinde Alsbach-Hähnlein wird es auch im kommenden Schuljahr wieder diese Betreuung geben. „Mein Betreuer hat mich aufgebaut und unterstützt“, berichtet der angehende Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Auch die 15-jährige Annika wünscht jedem Schüler einen Betreuer wie sie ihn hatte. „Es wäre viel anstrengender gewesen ohne ihn“, weiß die Schwanheimerin. Denn die Paten muntern nicht nur auf, helfen beim Bewerbungen schreiben und drücken die Daumen. Sie haben auch Kontakte, die die Jugendlichen selbst noch nicht haben. „Durch den Betreuer findet man mehr Kontakte zu Unternehmen, weil die älter sind und mehr Erfahrungen haben.

Annika hat ihren qualifizieren Hauptschulabschluss quasi in der Tasche und der Vertrag zur Medizinisch Technischen Angestellten liegt zu Hause. „Es hat geklappt, ich habe das bekommen, was ich wollte“ Sie wird in einer kleinen Arztpraxis in Bensheim ihre Ausbildung machen. „Familiär, klein und gemütlich“ beschreibt sie den Ausbildungsort. Denn die Praxis kennt sie von einem freiwilligen Praktikum.

So ein Praktikum ist wichtig – das wissen die Jugendlichen ebenso wie die Organisatoren, deshalb haben diese in den Regeln, die die Jugendlichen und ihre Eltern unterschreiben müssen, auch das festgehalten. “Ich nutze die Chance, ein Praktikum zu machen, eventuell auch während der Ferien, vorzugsweise in einem Betrieb, der nach dem Praktikum auch Lehrstellen anbietet“, heißt es da. Die Jugendlichen versprechen mit ihrer Unterschrift außerdem, zu den angebotenen Veranstaltungen zu kommen, ein Heft zu führen, das nachweist, wann und wo sie sich beworben haben oder sich in der Schule anzustrengen. Die Alternative ist, die Unterstützung durch den Coach und die Initiative zu verlieren.

Von der Gegenleistung schwärmen Annika und Florian, denn im Gegensatz zur Schule, wo natürlich auch geübt wird, eine Bewerbung zu schreiben, ist es eine Einzelbetreuung, die die Schüler bei Fit for Job kostenlos bekommen und die Paten wollen vor allem die Eigeninitiative der Jugendlichen fördern und gezielte Hilfen geben.

Alle Coachs haben viele Jahre Berufserfahrung und ein Interesse daran, jungen Menschen mehr Chancen zu geben. Sie wissen, was Firmen von Schulabgängern erwarten. Mit diesen Kenntnissen wollen sie junge Menschen begleiten und ermuntern, ihre berufliche Zukunft aktiv zu gestalten. So eben auch Müller, der insgesamt drei Jugendliche auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben betreut. „Ich kenne die Situation der Jugendlichen und das ist meine Motivation zu helfen“, erklärt er und betont. „Jeder der keinen Beruf findet, hat ein Problem.“

Die Betreuung endet dabei nicht mit der Unterschrift auf dem Ausbildungsvertrag. „So einfach ist das nicht“, meint Müller. „Mich interessiert schon, was aus den beiden – nicht aus Kontrolle, sondern aus Interesse.“ Auch Annika will den Kontakt auf keinen Fall abbrechen. „Ich will ihn schon informieren.“ Außerdem will Annika nach der Ausbildung zur Medizinisch Technischen Angestellten, eine weitere drauf setzen, nämlich die zur Physiotherapeutin. Sie ist sich allerdings nicht sicher, ob sie auf der Schule genommen wird. Und falls nicht, wird sich die 15-Jährige wieder bewerben müssen. „Wenn ich den Kontakt halte, habe ich dann auch noch einen Paten, der helfen kann“, zeigt Annika die Vorzüge auf.

Solche Paten braucht Fit for Job auch in Zukunft. Jeder sich bei der Initiative engagieren will, kann mit Hedi Herrman Kontakt aufnehmen. Tel: 06257 - 63529 , E-mail: hh(at)aid-ag.com. Das Angebot fit for job richtet sich ausschließlich an Jugendliche der Melibokusschule, die im Sommer in die 9. Hauptschulklasse kommen.

Bild und Text: Marion Körner