15.06.2008 Bensheim: Die Konfirmation der Beginn, die Verabschiedung aber nicht das Ende


In einem Witz unterhalten sich zwei Pfarrer. Der eine klagt ganz fürchterlich über Fledermäuse in seiner Kirche. „Alle Versuche, sie zu vertreiben, scheitern – immer wieder kommen sie zurück“. Der andere hat den ultimativen Ratschlag für ihn: „Konfirmiere sie doch, das wirkt immer!“. Bei der 14-Jährigen von der Bergstraße war genau das Gegenteil der Fall. Mit neun Jahren zog sie mit  mit den Eltern nach Darmstadt. Die Konfirmation ist für die Bickenbacherin auch heute - fast 50 Jahre später – noch immer ein einschneidendes Ereignis, das sie als „ganz wichtig“ bezeichnet. Denn mit der Konfirmation sei sie in der Gemeinde tätig geworden und habe „alles gemacht, außer Organistentätigkeiten“. Im Büro hat sie geholfen, für die Jugendzeitschrift geschrieben, die Kirche geputzt, im Kirchenchor gesungen, den Küster vertreten und mit 16 Jahren die erste Predigt auf einer Jugendfreizeit gehalten.

Noch heute hält sie gerne Predigten. Am 15. Juni um 15.00 Uhr wird die damals 16-Jährige in einem Festgottesdienst als Pfarrerin der Bensheimer Stephanusgemeinde verabschiedet. Renate Schmidt ließ sich nicht „vertreiben“ durch die Konfirmation. Aber sie lässt sich auch selten hängen, so wie es Fledermäuse gerne tun. Pfarrerin Schmidt ist eine Frau der Tat bescheinigen ihr die Kirchenvorstandsmitglieder. Und ein kurzes Telefonat mit ihr bestätigt das: „Ich muss nochmal schnell in den Garten, bevor es anfängt zu regnen“ beendet sie das Gespräch. „Wir brauchen noch Blumen für den Gottesdienst am Sonntag. Ich hab schon die Leiter hingestellt, um ein paar Äste abzuschneiden und will nicht nass werden.“ Damit belegt sie gleichzeitig die Aussage von Reinhilde Schieche, dass die Pfarrerin immer im Dienst sei.

Aber wie bei jedem gibt es auch Dinge, die sie nicht so mag an ihrem Beruf. Bei Pfarrerin Schmidt ist es die Verwaltungsarbeit. Deshalb steht sie dem Ruhestand derzeit auch nicht sehr wehmütig gegenüber. „Ich mache meinen Beruf gerne und würde ihn auch wieder machen, aber die zunehmende Verwaltung gefällt mir nicht. Gottesdienst halten und predigen - das habe ich immer gerne gemacht, und das kann ich weiter tun.“ Da werden sich die Mainzer freuen, denn Jens Witte und Sigrid Poth aus Bensheim bescheinigen ihr Talent zum Predigen. Renate Schmidt wird aber vorerst nicht an der Bergstraße bleiben, sondern nach Mainz ziehen.

In Frankfurt, Marburg und Tübingen hat sie Theologie studiert, in Darmstadt absolvierte sie das praktische Vikariat bei der Kirchenleitung, die erste Pfarrstelle trat sie in Deitzenbach an im Dekanat Rodgau, dann ging sie nach Wiesbaden als Krankenhausseelsorgerin. Zehn Jahre lebte sie dann in Mainz und war ebenfalls in der Klinikseelsorge tätig.

Ob sie die Bergstraße vermissen wird? „Mhh, ich hab mich hier zu Hause gefühlt, das ist so meine Gemeinde“ Aber Schmidt befürchtet, dass sie ihrem Nachfolger „reinpfuschen“ könnte. „Wenn ich wo anders bin, kann ich mich engagieren.“ Bescheiden wie Schmidt ist, will sie keinem zur Last fallen und niemanden stören. So blickt sie auch auf ihre Arbeit zurück; „ich hab getan, was ich konnte, ich habe Fehler gemacht und Dinge vergessen“, aber :“ich hab's so gemacht, wie ich konnte und ein anderer wird es anders machen.“

Was sie über die Zukunft denkt? In einem Chor will sie auf jeden Fall wieder singen, das steht schon fest. Auch sonst wird sie wohl kaum rasten und rosten, denn auch der Grafiker des Gemeindebriefs, Georg Moodt, weiß, dass Schmidt unwahrscheinlich aktiv ist und auch als angehende Rentnerin noch immer gerne lernt. Mit Menschen mit dem Evangelium vertraut zu machen, Gottesdienste halten, Menschen abholen – das sind die Dinge, die sie am Pfarrer-Dasein mag. Auch wissenschaftliches Arbeiten, wie sie es im Studium gelernt hat, gefällt ihr noch immer.

Langeweile befürchtet sie deshalb nicht. „Ich muss ja erstmal noch weiterräumen“, spielt sie auf den bevorstehenden Umzug an, „ich reise gerne“ und dafür will sie sich schon im Herbst Zeit nehmen. Sie freut sich darauf, ihre Freizeit zu genießen, aber gleich folgt auch die Aussage, dass sie sich vertretungsweise einbringen will. So ganz ohne Engagement geht es nicht für die Seelsorgerin und die Kirche wird sie auch nicht durch eine offizielle Verabschiedung los. Im Büro wird sie zwar sicherlich nicht mehr aushelfen, aber Bibelabende, Seniorennachmittage, „das habe ich immer gerne gemacht, das kann ich mir gut vorstellen.“

Text: Marion Körner
Bild: Reinhilde Schieche