04.05.2008 Heppenheim: Pfarrer Dirk Römer geht in Ruhestand


Am Sonntag (4.), seinem 64. Geburtstag, wurde Pfarrer Dirk Römer im Gottesdienst von der evangelischen Heilig-Geist-Gemeinde in den Ruhestand verabschiedet. Mit ihm zieht sich auch seine Frau Sibylle aus der Mitarbeit in Heilig Geist zurück. Mit Römer geht nicht nur ein Pfarrer mit „Kaufmannsblut“, wie er selbst einmal der Pröpstin Karin Held erklärte. Sein Vater war Kaufmann und auch er sei in gewissem Sinne einer. Denn ein guter Kaufmann müsse werben und das tue er – wenn auch auf einem anderen Gebiet. Neben der Öffentlichkeitsarbeit, die Römer so gut versteht, lobte die Pröpstin von Starkenburg zwei weitere Dinge, die auch jeweils mit einem Ö beginnen. Ö wie Ökonomie .und Ökologie zum einen, zum anderen ein Ö für Ökumene, die durch die beiden katholischen Kollegen Pfarrer Hermann-Josef Herd und Pfarrer Lothar Röhr, auch am vergangenen Sonntag, Gesichter und vor allem Glaubwürdigkeit bekam.

Von sich selbst sagt der Geistliche, er würde nicht still sein, will sich einmischen – jeder der Pfarrer Römer einmal begegnet ist, wird seine Aussage bestätigen und unterstreichen. Dekanin Ulrike Scherf befand deshalb auch den Tagesspruch mehr als passend: „Herr, höre meine Stimme“ - „Sie haben nicht nur dann geredet, wenn Sie gefragt wurden“, kommentierte sie mit einem herzlichen Augenzwinkern und überreichte ihm ein Buch über seine neue Heimat Lorsch, die die Dekanin selbst auch gut kennt.

Nach 19 Jahren in Heppenheim, ist Pfarrer Römer nämlich nach Lorsch umgezogen. Seit 1989 war Dirk Römer der Pfarrer der Heilig-Geist-Gemeinde, Lehrpfarrer für zwei Vikarinnen, seit 1995 unterstützt von Pfarrer Jörg Michas und Pfarrerin Karin Weißer. Nach dem Studium der Theologie und Politik in Frankfurt, Tübingen und München absolvierte Römer das Vikariat in Mainz-Lerchenberg und ein Spezialvikariat mit dem Schwerpunkt praktische Theologie bei Professor Dahm in Herborn.

Dem schloss sich eine vierjährige Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft „Dienste in Übersee“ (Stuttgart) an. 1977 übernahm er die Pfarrstelle in der Wormser Matthäusgemeinde, einer Gemeinde im sozialen Brennpunkt. Er organisierte den Wormser Kirchentag im Lutherjahr und wurde für ein Zusatzstudium in Publizistik freigestellt. Dabei sammelte er Erfahrungen bei Funk, Fernsehen und Zeitungen, die ihn prägten.

Römer setzte sich ein für die Integration von Migranten, den christlich-islamischen Dialog des Kreises Bergstraße, den er mitgegründet hat, trat für die Ökumene ein, griff in Matinees aktuelle Fragen auf, gründete den Gesprächskreis „Literatur und Religion“, regte den Bau des „Hauses der Begegnung“ neben der Kirche und die Glasfenster von William Keaton an. Das alles leistete er neben seinem Beruf als Seelsorger der Heilig-Geist-Gemeinde, neben Gottesdienst, Konfirmandenunterricht, langjähriger Leitung des Kirchenvorstands, seelsorgerlichen Gesprächen, Besuchen bei Gemeindemitgliedern, der Verantwortung für die Oberlin-Kindertagesstätte, seelsorgerlicher Betreuung der Bewohner des Haus Johannes und Verhandlungen mit der Kirchenverwaltung.

Überregional engagierte er sich in der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau (EKHN) in der Männerarbeit, beim Islam-Arbeitskreis der EKHN und der Filmjury der EKD. Bereits nach dem Auszug aus dem Pfarrhaus hätten viele erkannt, wie viel Pfarrer Römer nebenbei erledigt habe, schreibt die Kirchengemeinde.

Dabei habe ihn seine Frau Sibylle Römer bei allen Tätigkeiten und Verpflichtungen kritisch begleitete. Sie habe selbst im Urlaub mit Heilig Geist leben müssen, wenn Dirk Römer beispielsweise Fotos für die nächsten Altennachmittage im Oberlin-Haus aufnahm.
Sibylle Römer habe aber auch eigene Akzente gesetzt. Die Erfahrungen mit den eigenen fünf Kindern führten zu einem jahrelangen Gesprächskreis von „Eltern pubertierender Kinder“. Sibylle Römer hat den „offenen Frauenkreis“ gegründet und sich für die partnerschaftlichen Beziehungen zu der Frauengruppe der Uhuru-Gemeinde in Daressalaam eingesetzt, auch wenn sie sich beim ersten Gespräch mit dem Kirchenvorstand zurückhaltend zeigte, wie Christel Fuchs erzählte.

Für den Singkreis der Gemeinde war sie die Ansprechpartnerin, bei der alle Fäden zusammenliefen. Außerdem war sie zehn Jahre stellvertretende Vorsitzende des „Fördervereins für Kinder- und Jugendarbeit“ bei der Heilig-Geist-Gemeinde.


Text: Marion Körner/Kirchengemeinde
Bild: Marion Körner