23.02.2008 Bensheim-Auerbach: Kunst und Musik im Gottesdienst und Ausstellung mit Bildern von Barbara Gertischke

In jeder menschlichen Biografie gibt es Brüche; solche, die wir selbst verschuldet haben und solche, die aus heiterem Himmel über uns hereingebrochen sind. Auch wenn Brüche meist irgendwann verheilen, hinterlassen sie Spuren und Fragen. Nicht immer lassen sich Brüche erklären. Wichtig ist, dass Leben nicht grundsätzlich zerbricht und dass es eine Vertrauen stiftende Kontinuität gibt, die über alle Brüche hinausgeht. Auch in der Menschheitsgeschichte gibt es Brüche, die das Leben in Frage gestellt haben.

So berichten die Bibel wie altorientalische Schöpfungsmythen von einer Flut, in der alles Leben fast wieder untergegangen wäre, wenn nicht eine Arche gerettet hätte. Immer wieder haben Menschen über die Gründe von Gefahr und Rettung nachgedacht. Hat menschliche Bosheit göttlichen Zorn heraufbeschworen? Was bewegt einen Gott, seine Schöpfung zu vernichten? Ist alles nur ein Experiment oder ein Spiel? Der biblische Gott sagt schließlich: „Ich will diese Erde nicht mehr verfluchen, auch wenn das menschliche Dichten und Trachten böse ist.“ Er zeigt Herz. Er lässt sich vom Schicksal seiner Geschöpfe bewegen und wird menschlicher. Er sucht die persönliche Beziehung. Der Mensch kann dieser Nähe standhalten oder davor flüchten. In der Flucht droht, dass er sich nicht nur von Gott, sondern auch von der Menschlichkeit distanziert.

Was prägt unsere Gottesbeziehung? Wie verkraftet sie Brüche? Dem will ein Abendgottesdienst nachgehen: am Samstag, 23. Februar um 19 Uhr in der Auerbacher Bergkirche. Er steht im Kontext von „Kunst und Kirche“. Es gibt stimmungsvolle Musik mit Ottfried Miller an der Orgel und Monika Hölzle-Wiesen mit Flöte. Dazu hält Pfarrer Engelbrecht eine Predigt mit Bildbetrachtung. Er gibt Denk- und Sehhilfen zu dem Bild „Arche Noah-zweimal“ von Barbara Gertitschke.

Das Bild wird während des Gottesdienstes an die Kirchenwand projiziert. Das Original hängt derzeit in einer Ausstellung mit meditativen Bildern der Bensheimer Künstlerin, die im „Raum der Stille“ des Evangelischen Gemeindezentrums in der Bachgasse gezeigt werden. „Zwischenzeit“ lautet das Thema der Ausstellung. Alle sind dahin eingeladen zum gegenseitigen Austausch im Anschluss an den Gottesdienst gegen 20 Uhr. Die Bilder von Barbara Gertitschke sind Ausdruck des Lebens in unserer Zeit. Sie spiegeln Sichten, Wahrnehmungen und Gefühle. Jeder darf im Betrachten, Nachdenken und im gegenseitigen Austausch seine eigenen Einsichten finden.


Bild und Text: PfarrerKarl Michael Engelbrecht