03.02.2008 Evangelische Pfarrer führten interreligiöse Dialoge in Indien

Pastoralkolleg der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Hyderabad

Das Verhältnis der Religionen zueinander und der interreligiöse Dialog standen im Mittelpunkt eines Seminars, zu dem eine Gruppe von Pfarrerinnen und Pfarrern aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für 13 Tage in die südindische Großstadt Hyderabad gereist war. Vom 22. Januar und bis zum 3. Februar waren die evangelischen Seelsorger und Seelsorgerinnen dort mit Vertretern und Vertreterinnen unterschiedlicher Religionen wie Hinduismus, Islam oder Buddhismus zusammengetroffen. Dabei führten sie Glaubensgespräche, besuchten unterschiedliche Gottesdienststätten oder Tempel und beschäftigten sich mit den Traditionen und Lehren der verschiedenen Glaubensgemeinschaften. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zogen sie eine positive Bilanz ihrer Erfahrungen.

Geleitet wurde der Studienaufenthalt vom Propst für Oberhessen, Klaus Eibach, aus Gießen. Der Studienaufenthalt der Theologengruppe fand im Rahmen einer theologischen Fortbildung, eines so genannten „Pastoralkollegs“, statt. Es war erst das zweite „Pastoralkolleg“ dieser Art und fand in dem interreligiösen Henry Martin Institut in Hyderabad statt. Diese unabhängige Studieneinrichtung engagiert sich für theologische Fortbildung und interreligiöse Begegnungen mit dem Ziel der Versöhnung zwischen den Religionsgemeinschaften. Gleichzeitig betreibt die Einrichtung mehrere Gemeinwesenprojekte in Hyderabend und organisiert Friedensprojekte auch an anderen Orten in Indien.

Die deutschen Theologen diskutierten mit ihren indischen Gesprächspartnern auch über das Missionsverständnis. "Durch die Begegnung mit den großen Religionen Indiens, also dem Islam, dem Hinduismus, dem Buddhismus und dem Sikhismus, konnten die Pfarrerinnen und Pfarrer ihre Kenntnisse über diese Religionen vertiefen und ihren christlichen Glauben befragen lassen", sagte Propst Eibach nach der Rückkehr nach Deutschland. Das Ziel des Pastoralkollegs sei gewesen, durch gegenseitiges Verständnis die gemeinsame Verantwortung der Religionen für Frieden und Gerechtigkeit in den jeweiligen Gesellschaften deutlich zu machen, so Eibach. Dieses Ziel sei erreicht worden. Die Gespräche hätten viele Impulse gegeben, die zum weiteren Nachdenken und zur Suche nach Verständigung beitrügen.

Zu den Höhepunkten des Programms gehörten Gespräche mit einem buddhistischen Mönch und die gemeinsame Begegnung mit einem hinduistischen und einem islamischen Gelehrten in dem hinduistischen Studienzentrum Vivekananda. Besonders intensiv beschäftigen sich die protestantischen Pfarrer und Pfarrerinnen mit den unterschiedlichen Richtungen des Islam und besuchten sowohl eine schiitische wie eine sunnitische Moschee. Im Henry Martin Institute selbst hörten die deutschen Gäste theologische Vorlesungen des katholischen Theologen und Institutsleiters Dr. Andreas de’Souza über die „Theologie der Beziehungen“.

Für einige Tage besuchte die Pfarrergruppe auch christliche Gemeinden in der protestantischen Diözese von Krishna Godavari am Golf von Bengalen, wo sie unter anderem in Gottesdiensten predigten, mit dem Bischof der Diözese zusammentrafen und ein Hilfsprojekt der EKHN für Opfer der Tsunami-Flutkatastrophe besichtigten.

Neben Propst Klaus Eibach waren Pfarrer Detlev Knoche vom Zentrum Ökumene der EKHN und von Pfarrer Martin K. Reinel von der Öffentlichkeitsarbeit der EKHN verantwortlich für das Pastoralkolleg. Teilnehmer des Pastoralkollegs waren: Pfarrer Dr. Christoph Bergner aus Bensheim, Pfarrerin Silke Bienhaus, Klinikseelsorgerin im evangelischen Dekanat Bergstrasse, Pfarrer Jörg Brauer, Gefängnisseelsorger in Rohrbach-Wöllstein, Pfarrerin Ursula Buchberger aus Friedrichsdorf, Pfarrer Kornelius Büttner aus Gießen, Pfarrer Klaus Endter aus Wiesbaden, Pfarrerin Ursula Kuhn aus Neunkirchen, Pfarrer Uwe Kunz aus Frankfurt, Pfarrein Gundel Neveling aus Mainz. Pfarrer Thomas Sinning aus Frankfurt und Pfarrer Horst Martin Stancke aus Breitscheid.

Text und Bild: Evangelische Öffentlichkeitsarbeit
Bild: Schia Moschee :
Das Foto zeigt die Pfarrerinnen und Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) bei einer interreligiösen Begegnung in einer schiitischen Moschee in Hyderabad, Indien. Propst Klaus Eibach (vorne, 3.v.l.) leitete dort ein Pastoralkolleg der EKHN mit dem Thema interreligiöser Dialog und gemeinsame Verantwortung der Religionen. Neben Propst Eibach der islamische Hodscha Hyder Agha.