25.01.2008 Alsbach/Heppenheim: Kirche gegen Rechts - Demos verhindern Auftritte der NPD im Dekanat

In vielen Städten und Gemeinden des Dekanates Bergstraße standen in den vergangenen Tagen Kundgebungen der NPD an, die mit Hilfe vieler Gegendemonstranten verhindert werden konnten. Viel Mut bewiesen einmal mehr auch die Mitglieder der Kirchengemeinden, die ihre Haltung mit ihrer Anwesenheit und eindeutigen Plakaten zum Ausdruck brachten.

Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinden Alsbach haben am Mittwoch gemeinsam mit Schülern der Melibokusschule Alsbach und des Seeheim-Jugenheimer Schuldorfs sowie der Initiative Umweltschutz den beantragten Auftritt der NPD vermutlich verhindert. Rund 200 Demonstraten standen nahe der Straßenbahnhaltestelle Beuneweg, um ihre Haltung gegen rechts kundzutun.

Mit selbstgebastelen Plakaten gaben sie der Personenstärke noch Nachdruck. Auch in Seeheim, und Bickenbach konnte so der Auftritt der NPD verhindert werden. Die Partei, die sich Erfolg bei der Hessischen Landtagswahl erhofft, hatte für die Tage Kundgebungen und Infoveranstaltungen in der südhessischen Region angekündigt, war aber in vielen Städten damit gescheitert, weil die Anträge von den Städten und Gemeinden abgelehnt wurden oder Gegendemonstranten Farbe bekannten und ihren Unmut gegen die NPD zum Ausdruck brachten.

Auch in Heppenheim und Bensheim waren für Freitag ein Auftritt der NPD geplant. Die Evangelischen Kirchengemeinden und das Dekanat haben sich auch hier gemeinsam mit der Heppenheimer Asylgruppe und Schülern der Odenwaldschule mit Plakaten gewappnet. Die Resolutionen der Städte und des Evangelischen Dekanates schmückten die Fußgängerzone schon am Morgen. Vom Bahnhof aus ging es dann Richtung Innenstadt. Die Kundgebung der NPD war unterdessen gerichtlich verboten worden, doch mit der Aktion wollten die Initiative gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit, die Kirchengemeinden und das Evangelische Dekanat sowie Vertreter verschiedener Parteien deutlich machen, dass Fremdenfeindlichkeit in Heppenheim nicht tatenlos zugesehen wird.

Neben Margarete Bauer von der Initiative gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit,, sprach auch Edith Unrath-Dörsam, Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Bergstraße: "Als Christen verstehen wir jeden Menschen als einmalig und wertvoll. Als Gottes geliebtes Geschöpf, dem wir Achtung und Anerkennung, entgegenbringen sollen – Und Hilfe und Schutz, wenn dies nötig ist. Wir verstehen auch die Schöpfung als Gottes Schöpfung, die nicht unser Eigentum ist." Erklärt die engagierte Pfarrerin die Haltung der Kirche.

"Ich habe mir die Mühe gemacht, in das NPD-Parteiprogramm zu sehen und festgestellt, dass da nicht christliches zu finden ist. Es geht um Volkstum und platten Biologismus. Es geht um den „Erhalt deutscher Volkssubstanz“, es wird von der „angeblichen Gleichheit aller Menschen“ gesprochen. Für Frauen ist absolut vorrangig vor allem anderem beruflichen Tun die Erziehung der Kinder. Und sie zitierte aus dem Parteiprogramm: :„Frauen sollen nicht außer Haus arbeiten, da der Beruf in der Familie sie voll auslastet.“ Zu den drängenden Problemen unserer Zeit, ökologischen, wirtschaftlichen sagt diese Partei nichts, so Edith Unrath-Dörsam.


Bereits am Mittwoch führten NPD-Aktivisten nach Angaben der Polizei in der Bensheimer Fußgängerzone, in Heppenheim und Lorsch unangemeldete Aktionen durch. Vier der acht Teilnehmer wurden bereits identifiziert. Besorgte Bürger, die von Personen der rechten Szene gesprochen und von der Aktion Bildmaterial gefertigt hatten, informierten die Polizei. Nach deren Ermittlungen war die achtköpfige Personengruppe Parolen skandierend und mit schwarz-weiß-roten Fahnen ausgerüstet gegen 13.15 Uhr für kurze Zeit durch die Fußgängerzone in der Hauptstraße gezogen. Offensichtlich die gleiche Personengruppe lief kurz darauf ebenfalls unangemeldet durch Heppenheim und Lorsch.

Weitere Aktionen konnten durch die sofort eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen der Polizei verhindert werden. Im Zuge der Fahndung konnten von den Beamten drei verdächtige Männer kontrolliert werden. In ihrem Auto war Wahlkampfmaterial der NPD gefunden worden. Sie hatten ihre Teilnahme an den Aktionen bestritten, konnten aber inzwischen ebenso anhand von Bildmaterial als Teilnehmer der Aktion in Bensheim identifiziert werden, wie ein bekannter NPD-Aktivist. Gegen die vier Männer wurden Ermittlungen wegen versammlungsrechtlicher Verstöße eingeleitet. Hinweise auf das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen haben sich bisher nicht ergeben. Die Ermittlungen dauern an.

Das Bild zeigt das Plakat der Evangelischen Kirche in Alsbach und von links nach rechts: Lukas Becker, Pfr. Horst Seyberth (Hähnlein), Georg Rausch (Bürgermeister von Alsbach-Hähnlein), Manfred Bäurle (Christliche Aktion Mensch-Umwelt), Elke Krauss (KV Hähnlein, Synodale, Gertrud Hildebrandt, Doris Bonin-Müller (KV Alsbach), Pfr. Thomas Beder (Alsbach), Dr. Mila Bath, Irmela Prolingheuer (beide KV Alsbach und Synodale)

Text: Pressemeldung des Polizeipräsidiums Südhessen/Marion Körner
Foto: Stefanie Becker