24.01.2008 Bensheim/Heppenheim: Beistand in Krankheit - Verabschiedung der Krankenhausseelsorgerin

Wer in den letzten fünfeinhalb Jahren im Heilig-Geist-Hospital in Bensheim oder im Jugenheimer Kreiskrankenhaus verweilen musste, hatte vielleicht das Glück, dass ein Klopfen an der Tür die evangelische Pfarrerin Renate Weigel ankündigte. Fünfeinhalb Jahre war sie als Krankenhausseelsorgerin in den beiden Häusern und hat Kranken und ihren Angehörigen Beistand und Kraft gegeben und sie aufgerichtet – auch wenn sie selbst in Ihrer Ansprache die Aufrichtung aus Markus 1, 29-31 den Ärzten und dem Pflegepersonal zusprach.

In dieser Bibelstelle geht es um die Aufrichtung, die Heilung, von Simons Schwiegermutter. Jesus „trat hinzu und richtete sie auf, indem er sie bei der Hand ergriff, und das Fieber verließ sie alsbald“. Viele vergleichbare Beispiele aus ihren fünfeinhalb Jahren Praxis hat Pfarrerin Weigel angebracht. Doch am Dienstagabend nahmen die Krankenhäuser und auch das Dekanat Abschied von der Pfarrerin, die künftig als Gemeindepfarrerin in Gundershausen tätig sein wird.

„Ich durfte viele Aufrichtungen beobachten“, sowohl im Heilig-Geist-Hospital, als auch in der Neurologischen Reha und der Chirurgischen Abteilung. Aufrichtung kann man „nicht messen, kontrollieren oder bezahlen“, aber es sei die Verantwortung aller Christen, das zu tun. Indem Pfarrerin Weigel in die Zimmer ging und Raum bot für die Patienten, für die Angehörigen sowie für das Pflegepersonal und in der Krankenpflegeschule.

Wie wichtig die seelsorgerische Arbeit auch für das Personal war, zeigt das Engagement der Pflegedienstleitung beim Abschiedsgottesdienst, wo sie die Fürbitten übernahm. „Durch die Begleitung der „Christlichen Krankenhaushilfe“ im Heilig-Geist-Krankenhaus, durch die Mitarbeit in der innerbetrieblichen Fortbildung, in der Krankenpflegeschule im Gesundheitszentrum Bergstraße in Heppenheim und vieles mehr“, habe sich die Seelsorgerin in die Arbeit der beiden Häuser eingebracht, weiß auch Dekanin Ulrike Scherf.

Zwei Dinge haben die evangelische Geistliche in ihrer Arbeit beeindruckt, zum einen die Gottesdienste in Jugenheim, an denen teilweise mehr als 30 Patienten in Rollstühlen teilnehmen wollten und die Gemeinde in den Sportraum ausweichen musste. Viel Anlass zum Dank habe sie auch, wegen der „wunderbaren“ katholischen Kollegen, die sie hatte. „Das habe ich immer als Geschenk empfunden“, betonte sie und dieses Empfinden beruhte auf Gegenseitigkeit. Denn Inge Gärtner und Pater Bertrand, die beiden katholischen Kollegen aus Jugenheim und Bensheim sprachen ein Segenswort für Weigel und vor allem Pater Bertrand, der aus Polen stammt, genoss die Erfahrung von Ökumene, die er zuvor nicht kannte.

Pfarrerin Scherf betonte auch das Engagement im Dekanat: „Erinnern möchte ich besonders an das Jahr, in dem Sie in Zwingenberg während der Vakanz der halben Pfarrvikarstelle eingesprungen sind und die Vertretung übernommen haben“, so Scherf und auch am Dienstag waren Gemeindemitglieder bei der Verabschiedung. Es fiel Scherf nicht leicht, die Pfarrerin zu verabschieden, doch den Segen sprach sie gerne: „Gottes Segen begleite dich bei diesem Übergang von Altem zu Neuem“ und sie teilte auch mit Freuden mit, dass die Evangelischen Kirche weiterhin die Seelsorge in beiden Häusern unterstützt und derzeit die Neubesetzung der Stelle vorbereitet.


Text: Marion Körner
Foto: Liesel Völker