14.01.2008 Jugenheim: Demenz-WG

Am Freitag war die Sozialministerin Silke Lautenschläger in Jugenheim, um 25.000 € für U3-Betreuung und 75.000 € für die Demenz-WG an die Stiftung "Altes Forstamt in zu überreichen. Sie betonte dabei die Wichtigkeit, dass die Kirche und Diakonie in das zukunftsweisende Projekt eingebunden sind.

Pfarrer Gerhard Hechler zum Thema Demenz und Demenz-WG:

Ich habe zu Beginn meiner Tätigkeit als Gemeindepfarrer 1999 das Problem demenzieller Erkrankung in einzelnen Familien als sehr belastend für alle Beteiligten wahrgenommen und es sehr bedauert, dass es keine kirchlichen oder anderweitigen Angebote für die Betroffenen gab. Der Alltag war nervenaufreibend für die Angehörigen, die als Ehepartner meist auch schon im fortgeschrittenen Alter waren. Auszeiten, um zum Arzt zu gehen oder zum Friseur, mussten scharf organisiert werden. Das Wissen über die Krankheit und dem Umgang damit steckte damals noch in den Anfängen, auch bei Medizinern. Im Privatbereich machten die Angehörigen im Umgang mit den Kranken die Erfahrung, dass man ohne Wissen über die Demenz den Familienfrieden beeinträchtigte, weil man entweder schulmeisterlich oder die Krankheit ignorierend zu keinem befriedigenden Umgang miteinander kam.

Unsere Familie pflegte selbst meine Schwiegermutter in unserem Hause und sie litt die letzten 4 Jahre an Demenz. Von daher war ich froh, dass sich im Raum der nördlichen Bergstraße eine AG Demenz bildete, an der die Pflegedienstleiterin meiner Diakoniestation verantwortlich mitarbeitete. Nach Fachvorträgen, die sehr gut besucht wurden, bildete sich eine Angehörigengruppe, die sich einmal monatlich (jeden 1. Dienstag im Monat um 19 Uhr) im ev. Gemeindehaus Alsbach trifft.

Die Diakoniestation Nördliche Bergstraße bildete dann Ehrenamtliche aus und stellt eine Fachkraft zur Verfügung, um zwei Demenzgruppen anzubieten: Mo 14-17 Uhr im ev. Gemeindehaus Jugenheim und Do 14-17 Uhr im Gemeinschaftshaus Sandwiese. Beide Gruppen bieten wir in Zusammenarbeit mit den Kommunen Alsbach-Hähnlein und Seeheim-Jugenheim an. Eine dritte Gruppe im Bereich Bickenbach ist in der Planung. In den Gruppen werden die Teilnehmer mit gezielten Beschäftigungen gefördert und die Angehörigen können teilnehmen oder sich eine Pause gönnen.

Für die Nutzung einer Etage im Alten Forstamt war ziemlich schnell die Entscheidung getroffen, dort eine Demenz-Wohngemeinschaft einzurichten. Das Projekt wird vom Förderverein der Diakoniestation (1. Vorsitzende: Der Behindertenbeauftragte der Gemeinde Seeheim-Jugenheim, Gerhard Etzold-Jordan) vorangetrieben, um es bei Beginn der WG einer Mietergemeinschaft zu übergeben. Die Bewohner bzw. ihre Betreuer bilden dann diese Mietergemeinschaft. Der Förderverein konnte dank einer großzügigen Spende eine Fachfrau einstellen, die die Pilotphase der WG wissenschaftlich begleitet. Frau Burgholte-Niemitz, die bereits zwei Demenz-WGs in Darmstadt eingerichtet hat, hat im Sommer 07 schon ihre Tätigkeit aufgenommen.

Die Demenz-WG wird die erste im Landkreis sein und nicht die letzte. Angesichts der demoskopischen Entwicklung bekommen wir Krankheiten, die wir früher nicht bekommen hätten, weil wir nicht so alt geworden wären. Dem muss begegnet werden.

Synergieeffekte wird es mit der Kindergruppe des „SzenenWechsels“ geben, die im gleichen Haus untergebracht ist. Jung und alt werden sich im Garten und Hof treffen, es wird das erste Mehrgenerationenhaus im Landkreis sein. Beide Gruppen bekommen einen Gartenbereich (es gibt Erfahrungen mit der Anlage von Demenz-Gärten, die wir uns zunutze machen werden.

Das Forstamt liegt günstig am Rand des Ortszentrums, fußläufig sind alle wichtigen Einrichtungen, Geschäfte und Praxen erreichbar. Ich erwarte auch eine freundliche Aufnahme seitens der Nachbarschaft, die laufend über das Projekt unterrichtet wird.
Das Projekt ist eingebettet in die Kommune und die Kirchengemeinden.


Text und Bild: Pfarrer Gerhard Hechler

Auf dem Bild von links:
Dr. Klaus Bröllos, Stiftungsbeirat und Kirchenvorsteher,
Bürgermeister Olaf Kühn, Stiftungsbeirat,
Dr. Heinz Schmitz, Stifter,
Sozialministerin Silke Lautenschläger,
Pfarrer Gerhard Hechler, Stiftgungsbeirat,
Gottfried Milde, MdL.