25.12.2007 Ein Anhaltspunkt für die Hoffnung - Weihnachtsbesinnung 2007 von Kirchenpräsident Peter Steinacker

Viele erleben ein verwundetes Leben – Menschen, die sich selbst fremd sind, Familien, die aneinander vorbeileben; Probleme, die unüberwindlich scheinen. Wie schön wäre es, wenn es irgendwo einen Anhaltspunkt für die Hoffnung auf ein neues, ein anderes Leben gäbe! Weihnachten vielleicht?

Große Worte über Liebe und Frieden ranken sich darum. Eines wird oft in Weihnachtsgottesdiensten gelesen und klingt in dem Lied „Tochter Zion“ an. „Du Tochter Zion, freue dich sehr und du Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselein.“ (Sacharja 9,9)

Dieser Jubelruf stammt vom biblischen Propheten Sacharja: Er lebte 520 vor Christus unter verzweifelten Menschen in einem verwüsteten Land. Sacharja wollte seinen Landsleuten Mut zu einem neuen Anfang machen. Die Probleme waren allerdings so groß, dass sie aus eigener Kraft unüberwindlich schienen. Die Menschen brauchten einen neuen Anhaltspunkt für ihre Hoffnung auf Gott. Den fand Sacharja. Er lebte in Jerusalem, poetisch auch Zion genannt, im Gebiet von Israel auf der Landbrücke zwischen Nordafrika und dem arabischen Raum. Seit Menschengedenken haben hier machthungrige Herrscher ihre Heere aufeinandergehetzt und die Menschen unterjocht.

Hier galten meist nur die Waffen als Argumente und das Recht des Stärkeren. Dieses Oben-Unten-Denken durchbrach Sacharja mit der Vision von einem gänzlich anderen König, der Gerechtigkeit wünscht und sich als Helfer versteht. Gott schickt ihn nicht auf einem Streitwagen sondern lässt ihn auf einem Esel reiten. Eine solche Königgestalt hatte vorher noch niemand gesehen. Ein ganz neuer Anhaltspunkt Gottes für die Menschen.

Diese Vision, so glauben wir Christen, hat sich in Jesus Christus erfüllt. Ganz wie es Sacharja vorhergesagt hat, reitet Jesus auf einem Esel nach Jerusalem, damals dem politischen und religiösen Zentrum in Israel. Dort stellt er sich ohnmächtig der Macht gegenüber und überwindet sie – sogar den Tod. Mit bescheidener Größe und mit machtloser Macht wird Jesus geboren. Ein Esel ist auch schon dabei, als Jesus in einem Stall bei Bethlehem auf die Welt kommt. Eine Krippe ersetzt das Himmelbett, Stroh die Matratze aus Samt. Die ersten Zeugen und Gratulanten sind einfache Hirten.

So schlicht geht es beim ersten Weihnachtsfest zu, als sich Gott im Stall selbst eine Menschengestalt gibt. Er will das Schicksal der Menschen teilen und überwinden. Im Stall von Bethlehem hat Gott einen neuen Anhaltspunkt für die Hoffnung geschaffen, ein Zeichen seiner Liebe. Es ist ein Anfang, der Anfang vom Ende der Gewalt, der Angst und der Einsamkeit. Es ist der Anfang von einer friedlichen und gerechten Welt. Seitdem werden weitere Anhaltspunkte gesucht - überall. Zum Beispiel in Menschen, die Gottes Liebe erfahren und anderen davon erzählen können, in Familien, die miteinander nicht nur Weihnachten feiern sondern ihr Leben gestalten können, und in Politikern, die miteinander das Wohl der Menschen allem voran stellen können. Jeder von uns kann so ein Anknüpfungspunkt für die Hoffnung sein. Das Weihnachtsfest erinnert uns daran. Und vielleicht erinnert es auch Gott.