08.12.2007 Affolterbach hat wieder einen Pfarrer - Pfarrerin Tabea Graichen wurde offiziell in ihr Amt eingeführt

Tabea Graichen heißt die neue Pfarrerin der Kirchengemeinde Affolterbach. Am Samstagabend wurde sie offiziell in ihr Amt eingeführt. Nach fast einem Jahr ohne Pfarrer kann sich die Kirchengemeinde nun über eine dynamische und engagierte Seelsorgerin freuen. Schon während der Vakanz übernahm sie vertretungsweise Gottesdienste und lernte die Kirchengemeinde so in diesem Jahr bereits kennen. Ute Gölz vom Dekanatssynodalvorstand sprach in ihrem Grußwort von einem Ja-Wort, das sich die Pfarrerin und der Kirchenvorstand an diesem Abend gegeben haben. Musikalisch umrahmte der Kirchchor unter Leitung von Gabriele Thielitz den feierlichen Gottesdienst.

Ein längerer Weg hat Pfarrerin Graichen, ins Gorxheimertal und nun auch nach Affolterbach geführt, weiß Dekanin Ulrike Scherf. „Jetzt haben Sie es gepackt und sind im Überwald“, kommentierte Bürgermeister Joachim Kunkel mit einem Augenzwinkern. Geboren wurde Graichen im württembergischen Bietigheim. Nach Schule und Sprachenkolleg studierte sie Evangelische Theologie in Tübingen und Heidelberg. Das Lehrvikariat nach dem ersten Theologischen Examen absolvierte sie in Essingen. Dort fand auch ihre Ordination statt, die kirchliche Amtseinführung der Pfarrerinnen und Pfarrer. Danach folgte das Pfarrvikariat in Neubulach und Oberberken. Im Plüderhausen war sie Gemeindepfarrerin, im Dekanat Weinsberg Altenheimsselsorgerin und in Gellmersbach wieder Gemeindepfarrerin.

Nach ihrer Verheiratung ins Hessische wechselte sie von der württembergischen in die hiesige Landeskirche. Im Gorxheimertal übernahm sie eine halbe Pfarrstelle, die sie auch weiterhin inne hat. Dekanin Scherf betonte auch ihre Fortbildungsfreude, die sich in ihrer Ausbildung zur Psychologischen Beraterin sowie zur Mediatorin und in ihrem Engagement beim Pfarrerausschuss der Landeskirche zeigen.

„Sie haben sich viel vorgenommen“, schloss Dekanin Scherf ihre Ansprache über Graichens Werdegang. Denn Pfarrerin Graichen wird künftig gemeinsam mit den Kirchengemeinden Gorxheimertal und Affolterbach einen Spagat vollbringen müssen. Dekanin Scherf gab ihr deshalb die Jahreslosung aus dem Ordinationsjahr Graichens mit auf den Weg. „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden“, zitierte sie Jesaja 40,31. „Es ist eine Einladung und Ermutigung, bei allem, was kommen mag, auf Gott zu vertrauen, sich ihm anzuvertrauen und aus diesem Vertrauen wiederum Kraft zu gewinnen, die Sie anderen weitergeben können“, ermuntert die Dekanin Tabea Graichen vor der Sendung und Segnung, bei der Pfarrer Gerhard Hechler und der 2. Vorsitzende des Kirchenvorstands Rudolf Ader beteiligt waren.

Aber Scherf weiß auch, dass eine Pfarrerin natürlich auf die Unterstützung ihrer Gemeinde angewiesen ist – und in diesem Fall, aufgrund der pfarramtlichen Verbindung mit Hammelbach, auch auf die gute Zusammenarbeit mit Pfarrer Stefan Ningel, der zukünftig mit einem Viertel Dienstauftrag in Affolterbach tätig sein wird.

Zumindest mit einem Ohr habe die Kirchenleitung die Wünsche der Kirchengemeinde mit dieser Lösung erhört, so Wolfgang Pütt, der erste Beigeordnete der Gemeinde Grasellenbach und spielte damit auf die Kürzung der Pfarrstelle auf 50 Prozent an. Und Renate Schmitt, die stellvertretende Vorsitzende des Hammelbacher Kirchenvorstandes, verglich die beiden Kirchengemeinden mit der Urgemeinde aus der Apostelgeschichte, die eine Gütergemeinschaft hatten. Im Überwald sei das ähnlich, hier teile man sogar die Pfarrer, kommentierte sie.
Pfarrer Ningel brachte sich bei dem Fürbitten-Gebet ein, ebenso wie Ulrike Klever-Wichmann vom Kirchenvorstand, Pfarrer Hechler und die Referentin für Kindergottesdienst im Dekanat, Beate Schuhmacher-Ries, die in Affolterbach einen Dienstauftrag hat.

Die Vergangenheit und ein bisschen Wehmut begleiteten den Gottesdienst am Samstag, denn mit der Begrüßung von Pfarrerin Graichen galt es auch Abschied zu nehmen von Pfarrer Helmut Steigler, dem ehemaligen Dekan, der in kürzester Zeit die Herzen der Affolterbacher gewann, wie sich Ernst Eck, Kirchenvorstandsmitglied, ausdrückte. Aber Steigler versicherte, dass es kein endgültiger Abschied sei.

Pfarrerin Tabea Graichen grenzte sich in ihrer Predigt davon ab, eigene Positionen in politischen oder kirchenpolitischen Auseinandersetzungen leichtfertig mit biblischen Zitaten zu legitimieren. Damit werde der jeweilige Gegner als gottlos ausgegrenzt. Der Predigttext dagegen mache den Geist Gottes zum Richter über den rechten Weg der Gemeinde und Kirche. Graichen empfahl an dieser Stelle Zurückhaltung.

Text und Bild: Marion Körner