09.11.2007 DSV verabschiedet Resolution gegen Rechtsextremismus und Intoleranz und bezieht Stellung

Bei der Sitzung am Donnerstag hat der Dekanatssynodalvorstand (DSV) des Evangelischen Dekanates Bergstraße eine Resolution gegen Rechtsextremismus und Intoleranz verabschiedet. Darin ruft er die Christen in der Region zur Wachsamkeit und zum mutigen Eintreten für Menschenrechte und Toleranz gegenüber menschenverachtenden Tendenzen auf.

Der zwölfköpfige Vorstand bildet das Leitungsgremium der Evangelischen Kirche in der Region. In dem Papier bekennt sich der DSV einstimmig gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Denn die Missachtung der Gleichwertigkeit aller Menschen sowie die Abschaffung der Demokratie geht auch die Kirche etwas an. „Menschenwürde, Toleranz und Demokratie sind uns hohe Güter, für die wir Christen einstehen“, heißt es in der Erklärung.

Die Würde jedes einzelnen Menschen ist wichtig. Der DSV und die Evangelische Kirche setzt sich für ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben aller Menschen und Bevölkerungsgruppen ein. Soziale Probleme in der Gesellschaft sollen nicht auf Kosten von Minderheiten gelöst werden. Im Sinne der Völkerverständigung will das Evangelische Dekanat Bergstraße in Freiheit, Frieden und Partnerschaft mit allen Nationen dieser Welt zusammen leben.

Gerade in diesen Tagen, in denen der 9. November sich jährt und an die schrecklichen Ereignisse der Reichspogromnacht im Jahre 1938 erinnert, als Synagogen zerstört und jüdische Mitbürger bedroht und in ihrer Menschenwürde kollektiv gedemütigt wurden, will das Evangelische Dekanat Bergstraße Stellung beziehen. Der DSV legt damit Zeugnis ab für die Hoffnung auf das Reich Gottes, in dem Frieden und Gerechtigkeit herrschen werden.

Die Mitglieder des DSV fühlen sich mit den Opfern des Nationalsozialismus verbunden und verurteilen deshalb ein Auftreten der Rechtsextremisten in der Region. „Wir wehren uns besonders gegen Versuche rechtsextremer, rassistischer und fremdenfeindlicher Gruppen, gerade das Bewusstsein junger Menschen in ihrem Sinne beeinflussen zu wollen. Jugendlichen brauchen keine populistischen Parolen und nationalistischen Weltbilder, sondern Menschen, die glaubwürdig für ein friedliches, respektvolles Zusammenleben in unserer Gesellschaft eintreten“, so die Erklärung. Ebenso wie ein aktive Fremdenfeindlichkeit wendet sich das Schreiben auch gegen Schweigen und "Wegsehen". Denn das sei im Ergebnis eine Unterstützung und könne leicht als Akzeptanz missverstanden werden.

Text: Marion Körner, Bild: Carsten Stein




Im Folgenden finden Sie die Resolution im Wortlaut:

Erklärung des Dekanatssynodalvorstandes des Evangelischen Dekanates Bergstraße gegen Rechtsextremismus und Intoleranz

Der 9. November erinnert uns an die schrecklichen Ereignisse der Reichspogromnacht im Jahre 1938 als Synagogen zerstört und jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger bedroht und in ihrer Menschenwürde kollektiv gedemütigt wurden.
Im Blick auf das unvorstellbare Leid, das durch die nationalsozialistische Ideologie geschah, sieht der DSV mit Sorge auf die fremdenfeindlichen und rassistischen Parolen rechtsextremer Gruppierungen – auch in unserer Region.

Als Christen akzeptieren wir eine solche Haltung nicht.
Wir verstehen jeden Menschen als einmaliges, von Gott geliebtes Geschöpf.
Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geht auch uns als Kirche an, denn sie zielen auf die Missachtung der Gottebenbildlichkeit / Gleichwertigkeit aller Menschen sowie die Abschaffung unserer Demokratie.
Menschenwürde, Toleranz und Demokratie sind uns hohe Güter, für die wir Christen einstehen.

Wir beziehen deshalb entschieden Stellung gegen alle Auftritte von rechtsextremen Gruppen, weil

  • uns die Würde jedes einzelnen Menschen wichtig ist,
  • wir uns für ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben aller Menschen und Bevölkerungsgruppen in unserem Land,
  • wir soziale Probleme in unserer Gesellschaft nicht auf Kosten von Minderheiten lösen wollen,
  • wir uns für Völkerverständigung einsetzen und wir als Christen in Freiheit, Frieden und Partnerschaft mit allen Nationen dieser Welt zusammen leben wollen,
  • wir uns den Opfern des Nationalsozialismus verbunden fühlen.
  • wir Zeugnis ablegen wollen für unsere Hoffnung auf das Reich Gottes, in dem Frieden und Gerechtigkeit herrschen werden

Wir wehren uns besonders gegen Versuche rechtsextremer, rassistischer und fremdenfeindlicher Gruppen, gerade das Bewusstsein junger Menschen in ihrem Sinne beeinflussen zu wollen. Jugendliche brauchen keine populistischen Parolen und nationalistischen Weltbilder, sondern Menschen, die glaubwürdig für ein friedliches, respektvolles Zusammenleben in unserer Gesellschaft eintreten.
Schweigen und "Wegsehen" ist im Ergebnis eine Unterstützung und kann leicht als Akzeptanz missverstanden werden.
Wir erklären deshalb, dass wir entschieden gegen das Auftreten der Rechtsextremisten in unserer Region sind.
Aktivitäten dieser Gruppen (wie etwa die NPD und ihre Gesinnungsfreunde in den sog. "Kameradschaften", "Aktionsbüros" und "Freien/Autonomen Nationalisten") beobachten wir mit großer Sorge und rufen die Christen im Bereich des Evangelischen Dekanates Bergstraße zur Wachsamkeit und zum mutigen Eintreten für Menschenrechte und Toleranz gegenüber menschenverachtenden Tendenzen auf.


Der Dekanatssynodalvorstand: Pfr. Thomas Beder (Alsbach), Pfr. Andreas Kleeberg (Fürth), Präses Axel Rothermel (Hähnlein), Dekanin Ulrike Scherf (Lorsch), Dr. Michael Wörner (Einhausen), Renate Bras (Rimbach), stellv. Präses Hendrik Raekow (Mörlenbach), Ute Gölz (Wald-Michelbach), stellv. Dekan Pfr. Frank Nocher (Viernheim), Pfr. Thomas Blöcher (Reichenbach), Irmgard Wagner (Zwingenberg) und Christel Fuchs (Heppenheim).