09.11.2007 Der Opfer gedenken – Schweigekreis vor zerstörter Synagoge am kommenden Freitag

Vor 69 Jahren brannte am frühen Morgen des 10. November die Heppenheimer Hirsch-Synagoge. SA-Männer hatten das jüdische Gotteshaus, das 1900 geweiht wurde, angezündet. Es war die Pogromnacht, in der das nationalsozialistische Deutschland versuchte, sich seiner jüdischen Mitbürger zu entledigen. Die Zerstörung der Gotteshäuser, ob in Hemsbach oder Worms, setzte sich fort im körperlichen Angriff auf die Gläubigen, auf Juden und Jüdinnen. Auschwitz und Buchenwald, Ravensbrück und Treblinka bedeuteten den Tod von Millionen Menschen, von Kindern und Alten, von Frauen und Männern.

Am kommenden Freitag, den 09. November werden die Glocken aller evangelischen und katholischen Kirchen von 21.00 Uhr an eine viertel Stunde lang läuten, um an dieses unglaubliche Ereignis in der Bergsträßer Kreisstadt zu erinnern. Ein ökumenischer Schweigekreis wird sich zeitgleich an der mit Kerzen illuminierten Gedenkstätte für die niedergebrannte Synagoge (Starkenburgweg / Bensheimer Weg / Hermannstraße) und jüdischen Opfer Heppenheims während 1933 bis 1945 treffen, um auf diese Weise der Untat zu gedenken. Die Anwesenden wollen schweigend mahnen, dass die Ehrfurcht vor Gott, welcher Religion auch immer ein Gläubiger angehört, Menschen schützt. Nicht ohne Grund steht in unserem Grundgesetz die Religionsfreiheit unter dem besonderen Schutz des Staates. Den Abschluss der Gedenkfeier bildet die Lesung des hebräischen Psalms 121 und aus dem Koran die Sure 2, 255, sowie das gemeinsame Singen des Kanons „Herr, gib uns deinen Frieden“.


Text: Pfarrer Dirk Römer
Bild: aus METZENDORF, WILHELM, Geschichte und Geschicke der Heppenheimer Juden, Heppenheim 1982