15.11.2007 Heppenheim: Heilig-Geist gedenkt Gustav Adolf - Vorsitzender des Geschichtsvereins spricht über Gustav Adolf

Ob der schwedische König Gustav Adolf vor 375 Jahren am 6. oder 16. November in der Schlacht von Lützen gestorben ist, darüber streiten die Gelehrten. Dass er in den Novembernebeln des Jahres 1632 zwischen Leipzig und Weißenfels seine letzten Atemzüge tat, ist gesichert. Und das Datum ist nur eine Frage des Kalenders, zu mindest des gregorianischen, der 1582 zehn Tage unter den Tisch fallen ließ.
 
Am „Vorabend“ von Gustav Adolfs Todestages, also am Donnerstag, den 15. November 2007 um 19.30 Uhr wird Prof. Dr. Karl Härter, der Vorsitzende des Heppenheimer Geschichtsvereins, in der Heilig-Geist-Kirche (Darmstädter Straße / Ecke Hermannstraße) einen Vortrag halten: „Gustav Adolf in Heilig-Geist - Die Bedeutung Schwedens für den 30-jährigen Krieg und die Lösung des Religionskonfliktes im Westfälischen Frieden“.
 
Als 1888 das Evangelische Gotteshaus mit finanzieller Hilfe des deutschen Gustav-Adolf-Vereins errichtet wurde, erhielt der Chor des Gotteshauses nicht nur ein zentrales Christus-Fenster, sondern links und rechts ein Medaillon Martin Luthers und Gustav-Adolfs. Offensichtlich war das Ansehen des schwedischen Königs damals so groß, dass man ihn in der „katholischen“ Kreisstadt Heppenheim als Protestanten ehren wollte. War doch der neugotische Backsteinbau im preußischen „Nationalstil“ ortsfremd an der Bergstraße errichtet worden.
 
Die Verehrung des Schwedenkönigs hängt mit seinem Einsatz im 30jährigen Krieg zusammen, als er 1630 mit militärischer Macht von Norden eingriff, die habsburgisch-kaiserlichen Truppen um Tilli in die Schranken verwies und dabei auch die Bergstraße besetzte. So war zeitweise wieder evangelischer Gottesdienst in der Heppenheimer Pfarrkirche St Peter durch Isaias Flocket möglich. Gustav Adolf galt den Protestanten des 19. Jahrhunderts als Retter des Evangelischen Bekenntnisses auf deutschem Boden.
 
Härter, der am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt und an der TU in Darmstadt arbeitet, wird sein Schwerpunkt auf den Westfälischen Frieden (1648) legen, der den Religionskonflikt bis 1803 löste, den Reichshauptdeputationsschluss, als Heppenheim dem Großherzog in Darmstadt zuviel und katholischer, sowie evangelischer Gottesdienst in einer Stadt möglich wurden.

Text: Pfarrer Dirk Römer
Bild: Max-Planck-Institut