05.11.2007 Affolterbach: Vergangenheit und Zukunft - Festgottesdienst zum 100-jährigen Jubiläum

„Wohl denen, die in deinem Hause wohnen“, Psalm 84 war Gegenstand der Predigt von Pfarrerin Cordelia Kopsch, der stellvertretenden Kirchenpräsidentin. Sehnsucht liege in diesen Worten, Sehnsucht, die klingt wie Heimweh, ein Gefühl, das allen vertraut sei. Gleich ob etliche Kilometer entfernt oder nicht. „Heimweh fragt nicht nach Kilometern“, es sagt einfach: „Zuhause ist wo anders“. Zuhause sein heiße Geborgenheit, so Oberkirchenrätin Kopsch. „Am Anfang muss etwas wie Heimweh gestanden haben“, Heimweh, das vor 100 Jahren die trieb, die die Kirche in Affolterbach bauten. „Es hatte schon einmal eine Kirche hier gegeben“, weiß Pfarrerin Kopsch, die später aber zerfiel. Von 1822 bis 1852 fanden dann gar keine Gottesdienste statt und es gab Zeiten in denen die Predigten im Wirtshaus gehalten wurden. Die Sehnsucht, das Heimweh haben eine Jugendstilkirche entstehen lassen – eine Seltenheit im ländlichen Raum.

Das Jubiläum der Gustav-Adolf-Kirche stand im Mittelpunkt des Gottesdienstes am Samstag, bei dem Sparkassenfilialleiter, Steffen Meierhöfer, die Gelegenheit nutzte seine Glückwünsche zu überbringen. Bürgermeister Joachim Kunkel aus Wald-Michelbach würdigte diejenigen, die dafür gesorgt haben, dass das Gotteshaus gebaut und so erhalten wurde.

Der Grasellenbacher Bürgermeister, Markus Röth, äußerte seine Meinung zur Kirchenleitung, die in seinen Augen an falscher Stelle kürze, wenn sie es bei den Pfarrern täte. Eine Kürzung hatte auch die Affolterbacher Gemeinde zu verzeichnen, wie Pfarrer Helmut Steigler in seinem Jahresrückblick berichtete. Aber auch freudige Ereignisse standen ins Haus. Ein durchaus gelungener Kinderbibeltag, eine Jubiläumsfeier und Konzerte. Am Samstag zeigte sich die Kirchenmusik ebenfalls von der besten Seite. Kantor Heinz Ulrich begleitete an der Orgel, Doris Steffan-Wagner und Martin Steffan sangen in wunderbarer Harmonie aus der Bach-Kantate „Gloria in excelsis Deo“ und Heinrich Schütz' „Eins bitte ich vom Herrn“, außerdem sang der Männergesangverein „Wallonia“ Wahlen unter Leitung von Thomas Reisig und mit Dirigentin Gabriele Thielitz der Affolterbacher Kirchenchor.

In diesem Jahr gab es aber mehr Tiefen als die Kürzung der Pfarrstelle. Die Kirchengemeinde musste den plötzlichen Weggang des langjährigen Pfarrers Michael Heymel verkraften und noch viel mehr einen schlimmen Unfall, bei dem im Juni Magnus und Elisa ums Leben kamen.
Eine freudige Nachricht gab es am Samstag. Denn die stellvertretende Kirchenpräsidentin Cordelia Kopsch war gleich in zweierlei Funktion involviert. Schon vor der Predigt stellte sie der Gemeinde die von der Kirchenleitung ernannte neue Pfarrerin vor. Tabea Graichen ist die Bewerberin um die halbe Stelle in Affolterbach. Das Verfahren ist fast abgeschlossen, es gibt nur noch eine Förmlichkeit: Jedes wahlberechtigte Gemeindemitglied kann gegen die Ernennung Einspruch einlegen. Allerdings nur aus drei Gründen. Zum einen wegen einer Gesetzeswidrigkeit im Verfahren, zum anderen wegen erheblicher Bedenken gegen die Lebensführung und geistlichen Haltung der Bewerberin oder auf Grund wesentlicher Einschränkung der Dienstfähigkeit. Bis zum 17. November kann bei Dekanin Ulrike Scherf Einspruch eingelegt werden. Falls das nicht der Fall sein sollte, wird Pfarrerin Tabea Graichen am 8. Dezember offiziell in ihr Amt eingeführt.

Text: Marion Körner
Bild: Ewald Imhof