27.10.2007 Synode: Große Einigkeit bei den Finanzen trotz Sparzwängen

Hat die Kirche einen weltweiten Auftrag? Dieser Frage widmete sich Norbert Schroeder von der Christoffel Blindenmission in seiner Andacht vor 90 Synodalen des Evangelischen Dekanats Bergstraße. Durch die Globalisierung sieht er den Auftrag als gegeben und träumt davon, Blinde sehend zu machen, Hunger, Flüchtlingselend und Armut zu verändern durch eine geeinte Christenheit. Vor Augen hat er dabei den Gründer der Mission, Ernst Jakob Christoffel. Auch er hatte einen Traum, fing mit kleinen Schritten an, heute arbeitet die Mission in mehr als 100 Ländern. Im Großen Saal der Bensheimer Christoffel Blindenmission haben sich die Kirchenparlamentarier am Freitagabend zur Herbstsynode getroffen, um über den Haushalt zu debattieren und Schroeder wünschte ihnen Einheit, weil gemeinsam aus einem Traum Wirklichkeit werden könne.

Und die Synodalen zeigten Einheit bei der Verabschiedung des Haushaltes für 2008. Im kommenden Jahr steht dem Dekanat weniger Geld zur Verfügung, weil die Zuweisungen von der Landeskirche gekürzt wurden. Ausgeglichen wurden die Kürzungen mit Zinsen der Rücklagen. Damit waren die Parlamentarier einverstanden. Einstimmig verabschiedeten sie den Haushalt und einstimmig wurde auch die Jahresrechnungen 2006, der damals noch zwei Dekanate, abgenommen.

Weniger einstimmig wurde über zwei Anträge abgestimmt, die sich auf das Zuweisungssystem der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau beziehen Das System regelt die Verteilung der Kirchensteuern auf die Gemeinden und Dekanate. Diese haben die Möglichkeit ihre Einwände in Form von Anträgen zu äußern, die derzeit in den neuen Entwurf eingearbeitet werden. In dem Zuweisungssystem werden neben der Anzahl der Gemeindeglieder auch die Pfarrstellen berücksichtigt. Bisher werden Umbauten und Renovierungen an den Pfarrhäusern von der EKHN je nach Bedarf finanziert. Der Entwurf sieht vor, dass die Gemeinden mit einer jährlichen Zuweisung der Landeskirche, für die bauliche Unterhaltung selbst aufkommen. Jürgen Schellhaas beantragte, alle Pfarrhäuser erst zu analysieren, bevor die bauliche Unterhaltung in die Verantwortung der Gemeinden geht. Doch die Synode stimmte mehrheitlich gegen diesen Antrag.

Erfolg hatte dagegen Schellhaas' Antrag die Zuweisungen nicht an Pfarrstellen, sondern an Gottesdienstorte zu binden. Verliert eine Gemeinde im Rahmen der Pfarrstellenbemessung eine ganze oder halbe Pfarrstelle, verliert sie zusätzlich Geld. Wenn die Zuweisung aber an den Gottesdienstort gebunden ist, kann durch Ehrenamtlich trotzdem ein gottesdienstliches Leben gewährleistet werden. Dieser Antrag geht nun an die Parlamentarier der Landeskirche, die in einer Sondersitzung darüber debattieren und gegebenenfalls das Zuweisungssystem ändern.
Neben den Finanzen, stand auch der Bericht der Dekanin Ulrike Scherf auf der Tagesordnung. Scherf berichtete von den Visitationen, die sie nun zum zweiten Mal im ehemaligen Dekanat Mitte durchführte. Bei den Treffen mit den Kirchenvorständen ging es darum, Bilanz zu ziehen, was in den vergangenen zwei Jahren erreicht wurde und was die Kirchenvorstände beschäftigt. Die Bandbreite war groß und reichte von der Kinder- und Jugendarbeit über neue Gemeindeglieder und die theologische Arbeit im Kirchenvorstand bis hin zu Leitlinien der Gemeinden. In Auerbach, Beedenkirchen, Gronau-Zell, Reichenbach und Zwingenberg habe sich beispielsweise vieles bewegt durch die Arbeit der Gemeindepädagogen.

Derzeit besuchen zudem die Pröpstin Karin Held, die Dekanin und Mitglieder des DSV die Gemeinden im ehemaligen Dekanat Süd. In diesem Zusammenhang freute sich Präses Axel Rothermel über die Gemeinschaft im größeren Dekanat, die Glaubensvielfalt und den Reichtum an Ideen, die in den Gemeinden vorherrschen. Die Dekanin dankte allen Gemeinden für ihr großes Engagement.

Kinder- und Jugendarbeit stand am Freitagabend ein zweites Mal auf der Tagesordnung, denn die neue Jugendreferentin Ulrike Schwahn nutzte die Gelegenheit sich den Synodalen vorzustellen. Die 32-jährige Sozial- und Gemeindepädagogin hat im Oktober ihre Stelle angetreten und ist als dritte Kraft an der Seite von Bruno Ehret und Michael Volkmar im Dekanat für die jüngere Generation zuständig.
Der stellvertretender Dekan Frank Nocher stellte die neue kirchenmusikalische Konzeption vor. Wegen der Zusammenlegung der beiden Dekanate 2006 war es notwendig geworden die Konzeption neu zu überarbeiten. Demnach arbeiten die Kirchenmusiker des Dekanats in fünf Vollzeitstellen in der Bensheimer Michaelsgemeinde, in Seeheim, in Rimbach, in der Auferstehungsgemeinde und der Christuskirchengemeinde in Viernheim, in Birkenau und in Wald-Michelbach.

Bei der Pfarrstellenbesetzung ist Scherf zuversichtlich, die halbe Stelle in Affolterbach noch in diesem Jahr besetzen zu können, die möglicherweise zukünftige Pfarrerin, Tabea Graichen, wird am Samstag um 16 Uhr der Gemeinde vorgestellt. Außerdem ist noch je eine halbe Stelle in Alsbach und Mörlenbach vakant. Aufs Ganze gesehen habe das Dekanat aber eine erfreulich gute Besetzung, denn insgesamt sind 49 Stellen besetzt. In den kommenden zwei Jahren werden aber in zehn Gemeinden die Pfarrer, meist aufgrund von Ruhestandsversetzungen, wechseln. Im Gorxheimertal, in den beiden Heppenheimer Gemeinden, in Zotzenbach, Schlierbach und Mörlenbach, sowie in Seeheim, der Bensheimer Stephanusgemeinde, in Jugenheim und Lindenfels wird es Veränderungen geben.

Bild und Text: Marion Körner