21.11.2007 Bickenbach: Notre Dieu est tendresse!

„Unser Gott ist Zärtlichkeit!“ – Eine ungewohnte, mutige, ja verstörende Behauptung in einer Welt, in der Coolness, Durchsetzungsfähigkeit und Berechnung zu den Kardinaltugenden zählen. Und gerade deshalb übt der Satz eine ungeheure Faszination aus – auf viele, die Jahr für Jahr, Monat für Monat nach Taizè pilgern oder zu Hause die Lieder und Gebete der ökumenischen Kommunität pflegen – ältere aber noch mehr ganz viele junge Leute, die offensichtlich die Nase voll haben von allzu viel Cool-Sein-Müssen und Karrierewettlauf.

Denn dieser Satz von verschwenderischer unbedingter Liebe und Zuwendung Gottes zu seinen (oder ihren?) Geschöpfen zieht sich wie ein roter Faden durch die singende und lauschende Verkündigung von Frère Rogers Kommunität. Er steht für einen unüberhörbaren, unübersehbaren Akzent von Vertrauen und Zuversicht in der großen Unübersichtlichkeit von Welt- und Gottesanschauungen rund um den Globus.

Der Meditative Tanzkreis will auch in seinem Jubiläumsjahr dieser Botschaft und ihrem lebendigen Ausdruck noch einmal öffentlich Raum geben, im Rahmen eines Gottesdienstes zum Buß- und Bettag, in dem gesungene und gesprochene Elemente des „Taizègebetes“ eine zentrale Rolle spielen sollen. Bei einigen der Lieder möchten wir auch die Gelegenheit nutzen zur Geste, zum „Körpergebet“, wie es sich aus dem meditativen Tanzen über Jahrzehnte entwickelt hat.

Soweit zum „Bettag“. Wie aber kommt der „Bußtag“ ins Spiel? Achtsamkeit kann einem dazu einfallen und „andere achten“, das Motto der Friedensdekade, die mit dem 21.November abschließt, oder besser: sich vielleicht öffnen könnte zu einem winzigen neuen Akzent im täglichen Einerlei. Es wäre schon ein bemerkenswertes Stück Umkehr (sprich: Buße), wenn es uns gelänge, mit ein wenig mehr Achtsamkeit und Respekt das Andere, Fremde, Störende in uns und neben uns zu betrachten und daraus zu handeln. Auseinandersetzung und Ringen um Standpunkte soll dabei nicht verpönt sein. Aber mit dem liebevollen, barm- (oder warm-)herzigen Blick, unter dem wir alle in Gottes Gegenwart leben dürfen, sind vielleicht neue Begegnungen und Einsichten gar nicht so ausgeschlossen –oder?
Einen ganz besonderen Abendgottesdienst gibt es am 21.11.07 um 20 Uhr im CVJM-Saal, Karl-Marx-Straße 1.

Text: Johanna Lindig
Bild: Gemeinde Bickenbach