02.10.2007 Kirchenvorstände wollen die Zukunft aktiv mitgestalten

Mehr als 40 Kirchenvorstandsmitglieder kamen am Dienstagabend ins Haus der Kirche nach Heppenheim, um den Entwurf der Lebensordnung zu diskutieren. Die Lebensordnung ist die Schrift, die in der Evangelischen Kirche beispielsweise Taufe, Abendmahl, Konfirmation oder Trauungen regelt.

Eingeladen hat die Ehrenamtsakademie (eaA) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und das Evangelische Dekanat Bergstraße. Unter dem Titel „Die Lebensordnung der EKHN: Gemeinsame Richtschnur des kirchlichen Lebens – auch heute noch?“ gab Oberkirchenrätin Christine Noschka eine Einführung in die Thematik.

Anschließend konnte in kleineren Gruppen einzelne Themen näher betrachtet werden. Pröpstin Karin Held übernahm die Leitung beim Thema Trauung, Noschka führte den Arbeitskreis Abendmahl, die Konfirmation wurde von Dekanin Ulrike Scherf übernommen und bei der Diskussion um die Taufe war Pfarrerin Helga Engler-Heidle federführend, die die Geschäftsstelle der eaA leitet.

„Die Lebensordnung ist kein Gesetz, sondern eine lebendige Richtschnur“, so die Oberkirchenrätin in ihrer Einführung. Und die orientiere sich an der Lebenssituation und der Praxis vor Ort, an Gesprächen mit der theologischen Wissenschaft und den Grundüberzeugungen der evangelischen Kirche. Deshalb kann sich die Richtschnur auch ändern. Seit 1960 sind bereits zwei Abschnitte geändert worden. Jetzt liegt ein kompletter Neuentwurf der Lebensordnung vor.

Die evangelische Kirche orientiert sich auch an den einzelnen Menschen, ist demokratisch. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass ausdrücklich gebeten wird, den Entwurf zu diskutieren, ihn kritisch zu hinterfragen und auf Praxistauglichkeit abzuklopfen. Dieses Angebot nahmen die Kirchenvorstandsmitglieder am Dienstag engagiert an. Schon vor der Gruppenarbeit entstand die grundsätzliche Diskussion, ob es sinnvoll ist, dass die Bibelzitate stark reduziert wurden, gründe doch die Praxis auf der Heiligen Schrift. Mit den biblischen Worten nehme man der Lebensordnung die Grundlage und die Geistlichkeit und die Kirche reduziere sich auf betriebswirtschaftliche Überlegungen. Bibelworte seien aber auch immer auslegbar, wurde von anderen dagegengehalten und eine Konzentration auf einzelne Verse solle der Klarheit dienen.

Ähnlich kontrovers und ebenso engagiert ging es in den Gruppen weiter. Bei der Taufe stand eine grundsätzliche Diskussion im Vordergrund Kindertaufe versus Erwachsenentaufe war das Thema, das die beteiligten Kirchenvorstandsmitglieder bewegte. In den Details beschäftigten sie sich zum Beispiel um die Bedenken gegen den Vollzug der Taufe. Hier sahen sie das Verfahren nicht klar geregelt. Die Frage bleibt offen, was ist, wenn ein Pfarrer die Taufe ablehnt, der Kirchenvorstand aber dieser zustimmt. Auch bei der Nottaufe war ihnen die Formulierung: „in besonderen Situationen“ zu unpräzise. Die Situationen sollten genauer definiert werden, so der mehrheitliche Wunsch.

Bei der Neufassung solle die Konfirmation nicht isoliert betrachtet werden, sondern eingebettet in die Angebote der Gemeinde für Kinder sowie für Konfirmierte. Es wird empfohlen, dass auch im Text der Lebensordnung die Bedeutung der Begleitung von Kindern und Jugendlichen zum Ausdruck kommt. Nach dem derzeitigen Entwurf ist es möglich sich auch in einer anderen Gemeinde konfirmieren zu lassen und der Ortspfarrer davon nur informiert wird. Hier wurden Bedenken geäußert. Ein inhaltlicher Austausch, ein Gespräch auch mit dem Ortspfarrer wird für wichtig gehalten. Bedauerlich sei, dass die Schulsituation nicht bedacht wird. Im Rahmen von Ganztagsschulen wäre dies wünschenswert, da es ganz neue Herausforderungen an die Kirchengemeinden stellt.

Beim Thema Trauung war einmal mehr die Abgrenzung zu zivielrechtlichen Fragen ein Thema. Es gelte früher anzusetzen und weiter zu gehen. Deshalb wurde begrüßt, dass auch Ehekonflikte in diesem Abschnitt genannt sind. Organisatorisch sei eine Absprache mit dem Pfarrer und dem Kirchenmusiker wichtig, nicht nur ein „Austausch“.

Beim Abendmahl gab es eine lange Diskussion über den Aspekt der Einladung von Katholiken, der vorher stärker gewesen sei. Das Abendmahl befreit von Schuld und Sünde, war die mehrheitliche Meinung, nicht, wie im Entwurf formuliert, von Last und Schuld.
Das Ende der Veranstaltung am Dienstag war nicht das Ende der Diskussion. Dekanin Scherf formulierte es ganz treffend: Hier steht kein Punkt, sondern ein Doppelpunkt und schloss sich der Oberkirchenrätin an, die schon zu Beginn, einen Diskurs begrüßte.

Bild: Helga Engler-Heidle
Text: Marion Körner