1.10.2007 Wild, ehrlich und unbequem – Gerhard Schoene in Birkenau

Wild sieht er aus und unangepasst, die langen Haare von einer Kappe gebändigt. Trotz schwarzer Hose und weißem Hemd wirkt er lässig. Hinter ihm das große Holzkreuz der evangelisch-lutherischen Kirche in Birkenau. Drei Flaggen in Orange und Gelb hängen über den Altar. Denn „Flagge zeigen“ war das Motto der ThomasMesse bei dem Gerhard Schöne musikalischer Gast war. Auch er hat zu DDR-Zeiten immer wieder Flagge gezeigt. Hat Lieder geschrieben und gesungen, die ganz offensichtlich nach Freiheit schrien, die die Regierung kritisierten.

In der Predigt bezog sich Renatus Keller, Pfarrer für Mission und Ökumene im Evangelischen Dekanat Bergstraße, ebenfalls darauf, Flagge zu zeigen. „Es heißt dort ja nicht: „Seid ein bisschen Salz in der Suppe“, sondern Jesus sagt zu denen, die sich an ihn halten: „Ihr seid das Salz der Erde!“ Wir sind ja in aller Bescheidenheit - und ich meine das sicher nicht zynisch – wir sind an dieser Stelle lieber ein kleines Licht, singen von „einem bisschen Frieden“ – und zugleich spüren wir, es ist mehr als zweifelhaft, ob das zukünftig langt“, gibt Keller zu. Flagge zu zeigen erfordert Mut, aber dank Jesus werde der Anspruch Flagge zu zeigen, oder Salz der Erde zu sein, Licht der Welt,wird so nicht nur zu Aufgabe und Last, sondern macht unser Leben reicher und schöner, weil wir hier erfahren, wovon und wofür und woraufhin wir leben.

Das Wort Flaggenträger, gefiel Schöne dennoch nicht. „Ich will nur Geschichten erzählen“, sagt er immer wieder. Auch im Gottesdienst am Sonntag bei dem Kurzinterview mit Pfarrer Keller zeigte sich Schöne so bescheiden. „Die Geschichten von couragierten Menschen machen mir Mut und das will ich weiter geben.“ Gerhard Schöne ist nicht groß gewachsen und doch ist er ein ganz Großer. Seit fast 30 Jahren steht Schöne auf der Bühne, durch seine Kinderlieder sind Generationen miteinander verbunden, aber auch die Lieder für Erwachsene haben weite Kreise gezogen, eines seiner Lieder ist sogar im Evangelischen Gesangbuch zu finden, seine Interpretation eines Südafrikanischen Liedes.

Seine Größe zeigte Schöne beim Konzert vor allem auch mit seinen ersten Songs. Der Liederpoet scheute sich nicht davor, seine allerersten Stücke vorzutragen. „Weine nicht, wenn der Vater sagt: Ins Bett!“ schrieb er als Junge auf die Melodie von „Marmor, Stein und Eisen bricht“. Ein Lied, mit dem er das Publikum gleich auf seiner Seite hatte, denn lachen war von ihm eindeutig erwünscht. Er hat Ernsthaftigkeit in seinen Texten, die oft sozialkritisch daher kommen, auf alle Fälle aber unbequem auf Fehlverhalten aufmerksam machen, wie „Wellensittich und Spatzen“, wo es sich um die Reaktion auf Menschen dreht, die anders sind. Doch Schöne vergaß nie den Spaß, sang Kinder- und Schlaflieder zwischendurch „zur Entspannung“, wie er sagte. Aber auch auf Glücksmomente besann er sich, die Momente, die vielleicht am Lebensende als Film vor seinem Auge ablaufen. Es waren nicht die großen Ereignisse, sondern Momente, in denen man denkt: „Vielleicht wird's nie wieder so schön“.

Mit seiner Stimme, die ein bisschen R einhard May ist, ein klein wenig Udo Jürgens und vor allem viel Gänsehaut, bot Schöne am Sonntag in Birkenau einen Querschnitt seines Schaffens, auch aus den neusten Produktionen hatte er etwas dabei. Schöne hat Bildern eine Geschichte gegeben, Fotografien bekannter Künstler mit Texten und Melodien versehen. Louis Stettner Foto von einer Pfütze auf Asphalt, die den Himmel mit Wolken wiederspiegelt hat ihn beispielsweise inspiriert zu dem, was Pfützen so alles sehen können. Und da war er ganz ehrlich, den Mädchen unter den Rock zum Beispiel und wieder war das Lachen da, wo im vorherigen Lied ein ernsthaftes und zustimmendes Nicken die Geschichte eines Mexikaners begleitete, der als Kartenabreißer im Kino immer seine Bibel dabei hat – das volle Leben eben mit viel Gottvertrauen, verpackt in einen Abend, der beim Publikum in der gut besuchten Birkenauer Kirche gut ankam – und das nicht nur wegen Schöne und seinen Liedern, sondern auch dank des tollen und gastfreundlichen ThomasMessen-Teams um Pfarrer Renatus Keller.

Bild: Bernd Camin
Text: Marion Körner