27.07.2009 "Der Sonntag gerät unter das Dikatat des Konsums" -Geschäfte in Lorsch dürfen Sonntags öffnen


Die vom Landkreis Bergstraße genehmigte Ladenöffnung an jährlich 40 Sonn- und Feiertagen in Lorsch hat die Allianz für den freien Sonntag in der Region Starkenburg als weitere Aushöhlung des Sonntagschutzes kritisiert. 

„Der Sonntag gerät immer mehr unter das Diktat des Konsums und der Ökonomisierung. Diese Feststellung in der Starkenburger Erklärung der Allianz hat sich in Lorsch leider wieder einmal bestätigt“, sagte die Bergstraße Dekanin Ulrike Scherf. Die Allianz, die Anfang dieses Monats in Bensheim gegründet wurde, fordert einen konsequenten Schutz der arbeitsfreien Sonn- und Feiertage und setzt sich für die Sonn- und Feiertagskultur nicht nur im Einzelhandel ein. In der Starkenburger Erklärung heißt es wörtlich: „Es geht darum, den Rhythmus zwischen Arbeit und Ruhe um der Menschen willen zu erhalten und den Menschen eindeutig in den Mittelpunkt allen wirtschaftlichen Handelns zu stellen.“

Pfarrerin Katja Hennings von der evangelischen Gemeinde Lorsch sagte: „Es gibt ein berechtigtes Bedürfnis der Menschen, Sonntags frei zu haben. Das sollte ernst genommen werden. Der Sonntagsschutz darf nicht scheibchenweise beschnitten werden". Der Pfarrer der Katholischen Gemeinde St. Nazarius Lorsch, Hermann Differenz, betonte: „Menschen brauchen Zeit für Ruhe und Besinnung. Der Sonntag darf nicht dem Kommerz geopfert werden.“

Erstunterzeichner der Starkenburger Erklärung sind die evangelischen Dekanate Bergstraße, Ried, Reinheim, Groß Umstadt, Darmstadt-Land und Darmstadt Stadt, die katholischen Dekanate Bergstraße, Ost-, Mitte- und West, der DBG Südhessen, Verdi Südhessen und der Olympische Club Starkenburg.

Die Ladenöffnung an 40 Sonn- und Feiertagen in Lorsch wird mit dem besonderen Besucheraufkommen begründet. Dass die Stadt nicht nur auf konsumfreudige Touristen hofft, sondern auch die Lorscher Einwohner im Blick hat, machte der Lorscher Bürgermeister Klaus Jäger deutlich. Er wird mit den Worten zitiert: „Die Stadt [wünscht] allen Besuchern und allen Bürgern viel Spaß beim sonntäglichen Einkaufen“.
Die Allianz für den freien Sonntag vertritt dagegen die Überzeugung, dass es „immer weniger freie Zeiten für die Familie, die Freunde und die Freizeitgestaltung“ gibt und dass der „arbeitsfreie Sonntag wesentlich zu einer Kultur gehört, die vom christlichen Glauben geprägt ist.“

 

Text: bet