15.07.2009 Zwingenberg: Eine Gemeinde zieht um


Die  Kirchengemeinde Zwingenberg ist aus ihrem Gemeindehaus mit Sack und Pack ausgezogen. Dort hört jetzt man jetzt Kinder lachen. Drei- bis Sechsjährige aus dem städtischen Kindergarten haben das evangelische Gemeindehaus in Beschlag genommen – für mindestens ein Jahr.

Das Gebäude des kommunalen Kindergartens ist abgerissen worden. Es wird an gleicher Stelle neu errichtet. Wohin mit den Kindern in der Bauphase, fragte sich die Stadt und bat die Kirchengemeinde um Unterstützung, die daraufhin ihr komplettes Gemeindehaus zur Verfügung stellte und in ein Ausweichquartier, das Alte Amtsgericht, zog. Die Entscheidung war nicht unumstritten. Viele äußerten Bedenken, dass mit dem Umzug das Gemeindehaus als zentraler Treffpunkt  und Identifikationsort verloren gehe, das Gemeindeleben so beeinträchtigt werde. Auch die Arbeit muss jetzt anders organsiert werden, „Im Gemeindehaus gab es kurze Wege und schnelle Absprachen. Die Kommunikation ist komplizierter geworden, “ räumt Pfarrer Bernhard Dienst ein. Er hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, dem Kindergarten nur einen Teil des Gemeindehauses zu überlassen. Eine knappe Mehrheit im Kirchenvorstand stimmte aber für die vollständige Räumung.

Kirchenvorsteher Michael Ränker spricht von einem Solidarbeitrag der evangelischen Kirche für das Gemeinwesen:  „Wir sind nicht Kirche auf einer einsamen Insel, sondern Teil dieser Stadt. Daher tragen wir Mitverantwortung für das, was hier geschieht“. Im konkreten Fall heißt das: die Kirchengemeinde hilft der Stadt, Geld zu sparen. Denn den Kindergarten vorübergehend in Containern unterzubringen hätte mindestens 100.000 Euro gekostet. Der Umzug in das evangelische Gemeindehaus ist deutlich günstiger. Die Kirchengemeinde bekommt als Gegenleistung eine behindertengerechte Toilette eingebaut. Sie stand schon lange auf der Wunschliste. Das ist sozusagen die „Kaltmiete“.

Den Umzug nutzte die Kirchengemeinde übrigens zum Großreinemachen. Eine Tonne Papier wurde entsorgt. Allein 800 Kilo alter Akten landeten im Müll. Auch Kochgeschirr von Jugendfreizeiten aus den 50er Jahren sowie uralte Zeltbahnen, die beim Ausräumen schon den Händen zerfielen, traten ihre allerletzte Reise an.


Foto oben: die Fahrzeuge vor dem Gemeindehaus sind vorübergehend etwas kleiner geworden


Foto links: ein Fenster im Ausweichdomizil Altes Amtsgericht

 



Text u. Fotos: bet