30.06.2009 Ausbildung in Besuchsdienst-Seelsorge


„Der Dienstag ist für mich der schönste Tag, da kommt die Frau Berger von der Kirchengemeinde zu Besuch!“ erzählt die 78-jährige alte Dame aus dem Seniorenwohnheim.  Sie freut dass sich ein Mensch für sie Zeit nimmt, ihr zuhört und es auch aushält, wenn sie von ihren Sorgen und Ängsten spricht. Sie fürchtet sich vor dem nächsten  Schlaganfall. Aber mit ihrer Tochter kann sie darüber nicht reden, denn die hält die Konfrontation mit dem möglichen Lebensende der Mutter aus, da ist sie einfach seelisch überfordert. „Ich gehe jedesmal bereichert nach Hause.“ sagt die ehrenamtliche Besucherin. Sie hat die alte Dame durch den Pfarrer ihrer Gemeinde kennengelernt.

Ein solcher Besuchsdienst an Menschen, die aus eigener Kraft nicht aus ihrer Wohnung kommen, ist ein Zeichen christlicher Nächstenliebe. Der Anteil von behinderten, dementen, und einsamen alten  Menschen an der Gesamt-Bevölkerung wächst wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten noch weiter an. So stellt sich hier auch eine soziale Aufgabe, das evangelische Dekanat anpacken möchte. Wir suchen Menschen, die hier etwas tun wollen und sich dabei weiterbilden wollen. Ein solcher Besuchsdienst geschieht ja in der Haltung einer liebevollen Achtsamkeit. Und wenn es einmal schwierig wird, braucht der Besucher auch selbst seelsorglichen Beistand.

Das evangelische Dekanat bietet eine Ausbildung in ehrenamtlicher Seelsorge an. Der insgesamt 50- stündige Kurs „Besuchsdienst-Seelsorge“  ermöglicht es, eigene Erfahrungen in der Gesprächsführung zu machen und darüber zu nachzudenken. Er bietet Kenntnisse über Gesprächsführung, typische Alterskrankheiten und Konzepte der Seelsorge. Gemeinsam werden wir nach unserem Glauben fragen und danach suchen, wie wir mit wichtigen Lebensthemen, wie Krankheit, Alter, Leid und Tod umgehen. Auch der Umgang mit dementen Menschen gehört in die Ausbildung hinein.

Der Kurs beginnt am 07. 11. 2009 und endet am 21. 03. 2010. Er umfasst 13 Kurs-Abende, die immer montags, von 19.30 bis 22.30 Uhr im evang. Gemeindehaus Fürth stattfinden, dazu zwei Samstage von 9.30 bis 16.00 Uhr. In der zweiten Hälfte des Kurses werden die Teilnehmer praktische Erfahrungen in einem Altenheim, Krankenhaus, oder in einer evangelischen Kirchengemeinde machen und dann an den Abenden darüber sprechen. Für Referenten und Materialkosten wird pro Teilnehmer ein Betrag von  € 50,- erhoben. Die Leitung hat Ulrich Halbleib, Pfarrer und Altenheimseelsorger in Wald-Michelbach. Fachkundige ReferentInnen sind angefragt.

Von den Teilnehmern wird nur erwartet, dass sie regelmäßig an den Kurs-Abenden teilnehmen, dass sie Zeit für den Besuchsdienst übrig haben, dass sie aufgeschlossen sind und gerne auf andere Menschen zugehen. Jeder Mensch wird, wenn es gut geht, einmal alt werden. Die meisten Menschen wünschen sich für ihr Alter nicht nur, dass sie nicht nur medizinisch gut versorgt werden, sondern vor allem, dass sie im Kreise ihrer Verwandten oder Freunde leben können. Aber nicht immer geht dieser Wunsch in Erfüllung. Durch Krankheit, Tod oder Umzug manchmal auch durch einen ungelösten Konflikt oder irgendwelche anderen Lebensumstände können Familien, wie auch Freundeskreise getrennt werden. Dann wünschen sich die meisten, dass wenigstens irgendein Mensch uns noch zu ihnen hält, auf sie achtet, irgendeiner, mit dem sie Freud und Leid teilen können.

Alte und demente Menschen können vielfach nicht mehr von sich aus Kontakte knüpfen. Sie sind darauf angewiesen, dass jemand zu ihnen zu Besuch kommt. Einsamkeit im Alter ist schlimm. Wir suchen Menschen, die Zeit haben für andere, die aufgeschlossen sind und gerne auf andere zugehen, die an religiösen Fragen interessiert sind und sich weiterentwickeln wollen. Wir arbeiten zunächst einmal mit den Kirchengemeinden, den Altenheimen und Krankenhäusern, den Sozialstationen und ganz besonders eng mit den Hospizdienst Überwald zusammen. Wir nehmen selbstverständlich auch alle anderen Organisationen wahr, die sich um alte, einsame, kranke und behinderte Menschen bemühen, und suchen, wo es nötig ist, die Zusammenarbeit.

Anmeldung und weitere Informationen bei:
Pfarrer Ulrich Halbleib,
Tel: 06207 606727
E-mail: u.halbleib@hotmail.de

 

Text:uh