20.06.2009 Calvin-Ausstellung: „Schminken passt nicht zur Reformation“


„Gestatten, Calvin! “ lautet der Titel einer Ausstellung, die das Evangelische Dekanat im Haus der Kirche in Heppenheim zeigt. Die Exponate erinnern das Leben und Wirken des französischen Reformators Johannes Calvin, dessen Geburtstag sich am 10. Juli zum 500-mal jährt. Einige Ausstellungsstücke machen deutlich, dass sein Wirken auch  Einfluss auf Gemeinden im heutigen Dekanat Bergstraße hatte.

So wird unter anderem ein aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammender Stickel aus Schlierbach gezeigt. Das ist ein einfaches Holzbrett, das auf dem Friedhof der Gemeinde anstelle von Grabsteinen aufgestellt wird. Darauf stehen der Name, der Herkunftsort und das Todesjahr des Verstorbenen. Das Brauchtum, die Gräber mit einem schlichten Holzstickel zu versehen, stammt aus der Schweiz.  Die religiösen Wurzeln liegen bei Johannes Calvin, der für Einfachheit plädierte und dem Schmuck und jede Spielart von Protz und Prunk ein Gräuel war. „Calvin lehnte alles ab, was mit Sinnlichkeit zu tun hatte“, sagte der Theologe und Calvin-Experte  Dr. Walter Schöpsdau  bei der Ausstellungseröffnung. Schminken hielt Calvin  zum Beispiel für unvereinbar mit der Reformation und meinte: „Schminken ist nichts anderes als eine Verkehrung der Natur, oder vielmehr noch, ein gegen Gott geführter Kampf.“ In reformierten Kirchen ist deshalb auch kein Schmuck zu finden. Als einziger „Schmuck“ gilt das Wort Gottes. Im Dekanat Bergstraße stehen neben Schlierbach auch die evangelischen Kirchengemeinden in Affolterbach, Hammelbach und Wald-Michelbach  in der reformierten Tradition.

Bei der Vorbereitung der Ausstellung hatten Birgit Geimer und Christine Steigler von der Fachstelle Bildung des Evangelischen Dekanats entdeckt, dass im 16. und 17. Jahrhundert  in einigen Gemeinden an der Bergstraße die Konfessionen innerhalb von 80 Jahren bis zu sieben Mal wechselte – mal waren sie lutherisch, dann reformiert oder katholisch. In Bensheim zum Beispiel wurde der letzte katholische Pfarrer im Jahr 1553 evangelisch. Das änderte sich 1624  grundlegend, als die Stadt wieder an den Mainzer Kurfürsten fiel und damit einen katholischen Regenten bekam. Als besondere Leihgabe wird in der Ausstellung das  Original-Kirchenbuch der Katholischen Gemeinde St. Georg aus Bensheim mit den Eintragungen der calvinistischen Gemeinde präsentiert.

Calvinismus ist immer wieder mit einer fleißigen, beinahe asketischen Arbeitsmoral in Verbindung gebracht worden. Calvin selbst war ein äußerst arbeitsamer Mensch. Er soll am Tag 16 bis 20 Stunden gearbeitet haben. Über  5.000 lange, mehrseitige Briefe stammen aus seiner Feder. Niemand weiß, was der Reformator heute über Computer sagen würde. Das Evangelische Dekanat sagte einfach „Gestatten, Calvin!“ und baute in der Ausstellung einen Computer auf. Dort können sich Interessierte, insbesondere Schulklassen, auf die multimediale Spurensuche nach Calvin begeben. Bei einem Calvin-Kreuzworträtsel gibt es sogar etwas zu gewinnen.

Die Ausstellung ist bis zum 04. September im Heppenheimer Haus der Kirche, Ludwigstraße 13 zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 09.00 bis 16.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Text u. Foto: bet