21.06.2009 Kirchenwahl: "Wer wählen geht, lebt auch ein Stück Reformation" - Wahlaufruf des Kirchenpräsidenten


Wenn Sie evangelisch sind, dann haben Sie am Sonntag allen anderen etwas voraus. Sie können wählen gehen! Dieses Mal nicht für Europa, nicht für Deutschland, sondern für Ihre evangelische Kirchengemeinde vor Ort, denn am Sonntag findet in nahezu allen 1182 Gemeinden der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Kirchenwahl statt.

Wer wählen geht, gibt nicht nur den Kandidatinnen und Kandidaten, die der Gemeinde Verantwortung übernehmen wollen, eine gute demokratische Legitimation und einen kräftigen Rückenwind.

Wer wählen geht, lebt auch ein Stück des Glaubens. Jesus Christus selbst hat Menschen beauftragt, seine Botschaft weiter zu tragen. Zuerst sind es die Jünger und man kann darüber nachdenken, ob die so etwas wie ein „erster Kirchenvorstand“ waren. Jedenfalls gab es solche Gremien schon in den aller ersten Gemeinden. Der Apostel Paulus berichtet in seinen Briefen ganz selbstverständlich von den Ältesten der Gemeinden, also von Leitungsgremien.

Wer wählen geht, lebt auch ein Stück Reformation. Eine ihrer grundlegenden Ideen war und ist es, die Kirche Jesu Christi nicht von der priesterlich-hierarchischen Institution her zu denken sondern von den Menschen vor Ort  und ihrer Gemeinde her. Jeder einzelne kann und soll für seinen Glauben und seine Kirche Verantwortung übernehmen. Richtschnur dafür ist allein das persönliche Gewissen, das sich an der Heiligen Schrift geschult hat. Eine Folge dieser theologischen Einsicht ist es, dass die Evangelische Kirche das Gemeindeleben in die Hände von Leitungsgremien legt, in denen neben den Pfarrerinnen und Pfarrern viele Laien mitarbeiten.

Deshalb meine Bitte: Gehen Sie wählen, auch wenn sie meinen, die Kandidatinnen und Kandidaten nicht genug zu kennen. Sie können trotzdem dafür sorgen, dass Junge und Alte, Frauen und Männer, Alteingesessene und Neubürger und möglichst viele Berufsgruppen angemessen vertreten sind. Gehen Sie wählen, auch wenn Sie meinen, dass in der Gemeinde auch ohne Ihre Stimme alles gut läuft. Das ist nicht selbstverständlich. Ein gutes Gemeindeleben bedarf engagierter Menschen, die Sie gewählt haben.

Dr. Volker Jung,
Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)

Hintergrundinformationen
Zu wählen sind in der EKHN circa 13.500 Kirchenvorstandsmitglieder, die ab 31. Oktober 2009 für sechs Jahre die Verantwortung für ihre Kirchengemeinde mit übernehmen. Die Anzahl der Mandate liegt zwischen vier und 21, je nach der Größe der Gemeinde. Die Kirchenvorstände vertreten die Gemeinden in geistlichen und rechtlichen Fragen, wählen Pfarrerinnen und Pfarrer, sind gemeinsam mit haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden für das Gemeindeleben verantwortlich, beschließen den Haushalt und verwalten die Finanzen.
Wahlberechtigt sind alle Kirchenmitglieder, die am Wahltag das 14. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens drei Monaten einer Gemeinde angehören. Von den 1,78 Millionen Kirchenmitgliedern der EKHN trifft dies auf über 1,5 Millionen Personen zu.