15.06.2009 KV-Wahl: Wenn die Mutter kandidiert, hat der Sohn die Wahl


Für die Familie Hahn aus Hammelbach im Odenwald ist der 21. Juni 2009 ein besonderes Datum. Sohn Maximilian wird dann 14 Jahre alt und kann damit erstmals in seinem Leben an einer Wahl teilnehmen: den evangelischen Kirchenvorstandswahlen, die am gleichen Tag stattfinden. Seine Mutter Birgit Hahn kandidiert an diesem Tag erstmals für den Kirchenvorstand der evangelisch-reformierten Gemeinde Hammelbach, zu der auch Gras-Ellenbach, Litzelbach und Weschnitz gehören. Die Frage ist nur: Wird der Sohn die Mutter auch wählen?

Im Gegensatz zur Landtags-, Landrats, Europa- oder Bundestagswahl können an den Kirchenvorstandswahlen in den rund 1.200 Gemeinden der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) auch Jugendliche unter 18 teilnehmen. Wer das 14. Lebensjahr vollendet hat und seit mindestens drei Monaten zur Gemeinde gehört, darf wählen. Das trifft auf den dann gerade 14 Jahre alt gewordenen Maximilian zu. Er findet ohnehin, dass es nicht nur in der Kirche, sondern in ganz Hammelbach lebendiger sein könnte. Für ihn steht fest: zur Wahl geht er auf jeden Fall. „Minderjährige sind sonst immer ausgeschlossen, Deshalb finde ich es gut, wenn sie bei der Evangelischen Kirche mit wählen können“, sagt Maximilian. Außerdem will er wissen, wie das so ist, wenn man auf einem Wahlzettel Kreuzchen macht.

Seine Mutter hatte zunächst selbst gar nicht vor, sich als Kandidatin für den Kirchenvorstand in Hammelbach zur Verfügung zu stellen. Birgit Hahn ist gefragt und wohl auch ein wenig überredet worden. Von der Arbeit als Kirchenvorsteherin hat die 41jährige konkrete Vorstellungen. „Sollte ich gewählt werden, will ich mich für die Jugend- und die Altenarbeit engagieren“. Denn Einsamkeit im Alter gebe es auch auf dem Land, meint Birgit Hahn. Als sie sich zur Kandidatur entschlossen hatte, befürchtete sie, dass ihre Familie den Kopf schüttelt und kollektiv stöhnt „Jetzt auch das noch!“. Denn die 41jährige ist bereits ehrenamtlich aktiv. Sie engagiert sich in der Hospiz-Arbeit und in der Trauerbegleitung. Doch die Familie hat es akzeptiert. Auf die Frage, ob er denn seine Mutter wählen werde, kommt von Maximilian ohne Zögern ein klares und eindeutiges „Ja!“  Und dass ganz ohne Beeinflussung und ohne Gegenleistung. Seine Mutter musste noch nicht einmal über eine Taschengelderhöhung verhandeln.

Im Evangelischen Dekanat Bergstraße werden in allen 34 Gemeinden neue Kirchenvorstände gewählt. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre. Der Kirchenvorstand ist das oberste Leitungsgremium der Gemeinde. Er ist für alle Personalangelegenheiten zuständig, verwaltet das kirchliche Vermögen und gibt Impulse für das Gemeindeleben. Nicht zuletzt wählt der Kirchenvorstand den Pfarrer oder die Pfarrerin. Ein Kirchenvorstand kann zwischen sechs und sechszehn Mitglieder haben. Die Zahl ist abhängig von der Größe der Kirchengemeinde.

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