15.05.2009 Gräberfeld für totgeborene Kinder


Bei einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Friedhof in Heppenheim ist das Gräberfeld für Totgeborene seiner Bestimmung übergeben worden. Damit gibt es in der Kreisstadt erstmals einen Gedenk- und Erinnerungsort für tot- oder fehlgeborene Frühchen, die nach geltender Rechtslage nicht „bestattungspflichtig“ sind.

„Du lebtest nur im Schutz warmer Dunkelheit. Uns entrissen bist Du dem Licht vielleicht näher als wir ahnen“, lautet die Inschrift auf dem Gedenkstein. Klinikseelsorgerin Silke Bienhaus bezeichnete das Gräberfeld als einen „Ort für Kinder, denen wir Lebenden keine Liebe schenken konnten“. Auf die beim Tod von Kindern immer wieder gestellte Frage „Warum?“ sagte die Pfarrerin: “Wir müssen es aushalten, dass es keine letztgültige Antwort gibt“. Der Gottesdienst wurde gemeinsam von dem evangelischen Pfarrer Frank Sticksel, den Pfarrerinnen Silke Bienhaus und Steffi Beckmann sowie dem katholischen Pfarrer Hermann-Josef Herdt und Krankenhauseelsorger Bernhard Deister gestaltet.

Friedhofsmitarbeiter hatten für das Gräberfeld in ihrer Freizeit unentgeltlich gearbeitet. Auch Steinmetz und Gärtnerei hatten ihre Arbeitsleistung nicht in Rechnung gestellt. Der Gedenkstein wurde gestiftet. Das Grundstück für das 65 Quadratmeter große Gräberfeld stellte die katholische Gemeinde St. Peter  zur Verfügung. Pfarrer Hermann-Josef Herdt sagte: „Betroffene Mütter und Väter sollten nicht allein gelassen werden“. Dr. Ursula Hurst, Chefärztin der Gynäkologie im Kreiskrankenhaus Heppenheim, ergänzte: „Wer keinen Ort und keine Zeit für Trauer findet, kann daran krank werden“. Für den Heppenheimer Bürgermeister Gerhard Herbert macht es einen großen Unterschied, ob sich eine Kommune mit den gesetzlichen Pflichtaufgaben begnüge oder einen solchen Erinnerungsort ermögliche. Die Stadt Heppenheim hat für das Gräberfeld ihre Friedhofssatzung geändert. Für die Bestattung werden keine Gebühren erhoben. Totgeborene Frühchen bis zu einem Gewicht von 500 Gramm müssen nicht bestattet werden. Sie können wie klinischer Abfall entsorgt werden. Dies bedeutet nach den Erfahrungen der Klinikseelsorge und der Gynäkologie oft eine zusätzliche Belastung der Betroffenen.

Pro Jahr gibt es im Kreiskrankenhaus Heppenheim nach Angaben der Gynäkologie zwischen drei und fünf Totgeburten. Das bezieht sich ausschließlich auf Schwangerschaften ab dem dritten Monat. Mit den Tot- und  Fehlgeburten in den ersten Monaten ist die Zahl deutlich höher. 

Text u. Foto: bet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 


 

 

 

 

 

 

 


 

 

 








Bilder oben: Posaunenchor Schlierbach (links); Dekanin Scherf, Präses Rothermel (Bergstr.), Dekan Geil, stellv. Präses Lohmann (Ried)
Bilder Mitte: Evangelische Kantorei Bensheim (links); Erika Ritter, Präses Axel Rothermel, Dekanin Ulrike Scherf (rechts)
Bilder unten: Prof. Dr. Peter Scherle (links): Karin Held, Pröpstin Starkenburg (rechts)

Bilder: bet