08.05.2009 Ein Gräberfeld für Totgeborene


In Heppenheim können totgeborene Babys künftig auf einem eigenen Gräberfeld beerdigt werden. Auf Initiative der Klinikseelsorge im Kreiskrankenhaus Bergstraße wird damit betroffenen Eltern die Möglichkeit gegeben, auch Totgeborene würdig zu bestatten, die nach geltendem  Recht nicht bestattungspflichtig sind.

Ein tot- oder fehlgeborenes Frühchen mit einem Gewicht bis zu 500 Gramm wird nicht standesamtlich erfasst, es wird auch keine Sterbeurkunde ausgestellt, eine Bestattung ist nicht vorgeschrieben. „Es kann  einfach als klinischer Abfall entsorgt werden. Das belastet viele Betroffene zusätzlich“, meint der katholische Klinikseelsorger am Kreiskrankenhaus Heppenheim, Bernhard Deister. Auch seine evangelische Kollegin, Pfarrerin Silke Bienhaus, hat im Krankenhaus in Gesprächen mit Müttern und Vätern erfahren, dass sich viele für die Trauerbewältigung eine Stätte der  Erinnerung wünschen. „Es kommt vor, dass Eltern Gedenkgottesdienste für andere Totgeborene besuchen, weil sie für ihr eigenes Kind keinen Ort der persönlichen Trauer haben“. Neben der Bestattung auf dem Gräberfeld sind auch Trauerfeiern möglich  „Das richtet sich ganz nach den Bedürfnissen und Wünschen der Eltern. Wenn sie sich für eine Trauerfeier entscheiden, kommt entweder die Pfarrerin oder der Pfarrer aus der Heimatgemeinde oder jemand von der Klinikseelsorge“, erklärt Pfarrerin Bienhaus.

Auch die Mitarbeiter der Gynäkologie im Kreiskrankenhaus haben sich für das Gräberfeld stark gemacht. „Die Problematik, wie man mit totgeborenen Babys unter 500 Gramm umgeht, ist sowohl den Pflegekräften wie den Ärztinnen und Ärzten bewusst“,  berichtet Klinikpfarrerin Steffi Beckmann. Für alle Beteiligten bedeute eine Totgeburt eine hochemotionale Situation, die keinen kalt lasse.

Möglich wurde das Gräberfeld durch die Kooperation und das Engagement vieler:  Friedhofsmitarbeiter waren bereit, auch in ihrer Freizeit an dem Feld zu arbeiten. Der Gedenkstein wurde gestiftet. Steinmetz und Gärtnerei stellten ihre Arbeitsleitung kostenfrei zur Verfügung. Die Gestaltung des Gräberfeldes wird von den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden unterstützt. Die Stadt Heppenheim hat dafür die Friedhofssatzung geändert. Für Bestattungen von totgeborenen Babys sollen keine Gebühren erhoben werden. Die Klinikseelsorge im Kreiskrankenhaus Bergstraße will sich zudem dafür einsetzen, dass die Kosten für einen Sarg übernommen werden, sofern dies betroffene Eltern nicht aus eigenen Mitteln leisten können.

Das Gräberfeld wird am kommenden Freitag (15.05) um 10.30 Uhr bei einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Heppenheimer Friedhof seiner Bestimmung übergeben.


Text: bet