07.05.2009 Anni Schäfer: Älteste Küsterin Deutschlands wird 90


Mit Superlativen sollte man grundsätzlich vorsichtig sein. Doch bei Anni Schäfer ist der Superlativ angebracht. Sie ist die älteste Küsterin im Evangelischen Dekanat Bergstraße und - bis zum Gegenbeweis -  auch die älteste Küsterin in Deutschland. Am Montag, den 11. Mai, feiert sie ihren 90. Geburtstag.

Anni Schäfer belässt es nicht dabei, die Kirche zu reinigen, die Liedertafel für den Gottesdienst zu aktualisieren oder die Kollekte zu sammeln. Sie hat, wie ihre Enkelkinder sagen, „einen grünen Daumen“. Das ganze Jahr über schmückt sie die evangelische Kirche in Hähnlein mit Blumen - nicht etwa ausschließlich bei besonderen Anlässen, sondern für jeden Sonntags-Gottesdienst. „Es macht mir Spaß. Ich habe einfach Freude daran“,  sagt Anni Schäfer.

Für die Küster-Tätigkeit hat sie sich nicht beworben. Sie ist gefragt und wohl auch ein wenig überredet worden. Seit 1983 ist sie im Dienst. Eine Anekdote aus ihren ersten Küster-Jahren erinnert ein wenig an den angeblich in einer Tonne lebenden griechischen Philosophen Diogenes, der auf die Frage Alexander des Großen, was er sich wünsche, geantwortet  haben soll: „Gehen Sie mir aus der Sonne!“ Die damalige Hähnleiner Pfarrerin Irmela Hage, die später übrigens die Schwiegertochter von Anni Schäfer wurde, wollte der Küsterin etwas Gutes tun, folgte ihr in der Kirche auf Schritt und Tritt, bot ihr Tee und Kaffee an und fragte dauernd, ob Sie etwas brauche.  Das wurde Anni Schäfer nach einer gewissen Zeit zu bunt. Sie sagte der Pfarrerin im Diogenes-Stil: „Lassen Sie mich doch einmal zwei Stunden allein! “

Dank Anni Schäfer ist die mit Blumen geschmückte Kirche für die Gemeinde in Hähnlein zum vertrauten Bild und zur Normalität geworden. „Ich glaube, das fällt den Leuten erst wieder richtig auf, wenn es nicht mehr ist“ meint die Küsterin. Doch die Gemeinde weiß, was sie an der bald 90jährigen hat. „Andere Leute gehen in Rente und manche fangen da erst an. Wir wünschen uns sehr, dass Anni Schäfer weiter Küsterin bleibt“, sagt Pfarrer Horst Seyberth. Das will sie auch tun, solange es gesundheitlich geht.

Anni Schäfer ist eine Frau mit großen Herzen. Ihre Tochter Rosemarie Stein sagt: „Niemand, der an ihre Tür geklopft hat, ist jemals hungrig nach Hause gegangen“.  Sie  macht sich nicht nur als Küsterin in der Kirche zu schaffen. Sie engagiert sich unter anderem auch  in der Evangelischen Frauenhilfe, sie ist eine begnadete Köchin, in ganz Hähnlein für ihre Backkünste bekannt und scheut bis heute anstrengende Arbeiten nicht, („Den Garten mache ich allein!“), wenn sie sich nicht gerade, wie jetzt, bei einem Malheur ein Bluterguss am Bein zugezogen hat und eine Zwangspause einlegen muss.

Anni Schäfer stammt aus einer Großfamilie mit fünf Geschwistern. Sie heiratete in eine Großfamilie ein, ihr Mann hatte ebenfalls fünf Geschwister und beide zusammen gründeten eine noch größere Großfamilie. Anni Schäfer hat sechs Kinder, zwölf Enkel und 13 Ur-Enkel. Nicht nur sie werden der Mutter, Großmutter, Ur-Großmutter und ältesten Küsterin am 11. Mai zum 90. Geburtstag gratulieren.


Text u.Foto: bet