21.04.2009 Abschied aus Lindenfels - Pfarrer Iglhaut geht in den Ruhestand


Er hat gerade seinen 65. Geburtstag gefeiert. Am kommenden Sonntag wird er im Gottesdienst feierlich verabschiedet. Herbert Iglhaut, seit 1997 Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Lindenfels, geht in den Ruhestand.

Eigentlich hätte er schon viel früher aufhören können. Es haben sich etliche Urlaubstage angehäuft, die er verfallen lässt. „Wir hatten Konfirmation, Goldene Konfirmation, die Ostertage - da konnte ich die Gemeinde doch nicht hängen lassen“, betont Pfarrer Iglhaut.  Gottesdienste hat er stets sehr wichtig genommen. Es gab nach seinen Angaben keine Predigt, die er nicht gründlich vorbereitet und ausgearbeitet hatte. Dabei ist es immer wieder vorgekommen, dass er im Gottesdienst die Predigt wieder spontan verändert hat. „Ich predige grundsätzlich frei. Wenn ich dann in die Gesichter der Menschen blicke und ich merke, dass es so nicht  geht, ändere ich die Predigt. Das ist abhängig von der Situation und den Personen im Gottesdienst“, erläutert der Pfarrer.

Herbert Iglhaut stammt aus Franken. Er war zunächst Pfarrer in der bayrischen Landeskirche, wechselte dann nach Detmold in die Lippische Landeskirche und 1982 schließlich in die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) als Gemeindepfarrer in Worms-Horchheim, wo er bis zu seinem Wechsel nach Lindenfels blieb. Seine Frau Gisela, mit der er seit über 40 Jahren verheiratet ist, habe die Gemeindearbeit immer mitgetragen. „Eigentlich bin ich ihr Mitarbeiter“, sagt Herbert Iglhaut augenzwinkernd. Über die Frage, was sich in den letzten 40 Jahren in der Kirche verändert habe, muss er nicht lange nachdenken. Spontan sagt er: „Die Papierflut ist gewaltig gewachsen.“  Es komme ihm manchmal so vor, als wollten die einzelnen Bereiche in der Kirche damit den Beweis erbringen, dass sie unverzichtbar seien.

In Lindenfels wird Herbert Iglhaut geordnete Verhältnisse hinterlassen. „Es gibt eine funktionierende Kerngemeinde, die nach außen strahlt“, meint der Pfarrer. Ob es sich  um den Kirchenvorstand, den Kirchenchor oder den ökumenischen Arbeitskreis handele, die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein seien gewachsen. Zur katholischen Kirche gebe es ein ausgesprochen gutes Verhältnis. Das unterstreichen nach Ansicht des Pfarrers auch die beiden Gottesdienste zu Pfingst-Montag und dem Buß- und Bettag, die gemeinsam vorbereitet und gefeiert werden. Seine Nachfolgerin steht mit Pfarrerin Jutta Grimm-Helbig auch schon fest. Die Bestätigung durch die Kirchenleitung in Darmstadt steht noch aus. Doch das gilt als Formsache.

Als Pfarrer im Ruhestand will Herbert Iglhaut den Talar weitgehend im Schrank lassen und nicht als Ersatzpfarrer einspringen. Grund ist zum einen seine Befürchtung, dass mit Ruhestands-Pfarrern Stellen auf Kosten der Jüngeren eingespart werden könnten. Zum anderen hat es mit seinem neuen Hobby zu tun Das ist die Baustelle seines neuen Zuhauses in Bammental im Rhein-Neckar-Kreis. Es entsteht mit viel Eigenarbeit. Dort kann man den Pfarrer mit Flex, Fäustel und Meißel  bewundern.

Am Sonntag, 26. April, wird Pfarrer Iglhaut verabschiedet. Der Gottesdienst in der Ev. Kirche Lindenfels beginnt um 15.00 Uhr.

Text u. Foto: bet