15.04.2009 Pfarrerin Fröhlich verabschiedet sich aus Heppenheim


Sie gehört eher zu den bodenständigen Menschen, die nicht so schnell Wohnort und Arbeitsplatz wechseln. Doch nach 17 Jahren als Seelsorgerin im Zentrum für soziale Psychiatrie und als Pfarrerin in der Christusgemeinde verabschiedet sich Andrea Fröhlich aus Heppenheim. Die 52jährige wird ab Mai als Klinikseelsorgerin im Darmstädter Elisabethenstift tätig sein.

Die Arbeit zwischen Psychiatrie und Gemeinde aufzuteilen, ist nicht immer leicht gewesen. „Ich habe versucht beiden gerecht zu werden, so dass niemand zu kurz kommt“, betont die Pfarrerin. Ein Berührungspunkt zwischen Psychiatrie und Gemeinde ist das Café Freitag, für das sich auch Ehrenamtliche aus der Gemeinde engagieren. Patientinnen und Patienten aus der Psychiatrie treffen sich jeden Freitag  in den Räumen der Christuskirche – zum Gespräch, zum Singen und einem wechselnden Programm. Sie werden dort hingebracht und wieder abgeholt. Die Klinik hat dafür einen Fahrdienst eingerichtet. 

Andrea Fröhlich ist es gelungen, langfristige Kontakte aufzubauen. Seit Jahren gibt es zum Beispiel die so genannte Dienstags-Gruppe. Sie entstand einst aus einer Konfirmandengruppe. Bis heute besuchen die ehrenamtlichen Mitglieder alle 14 Tage die Psychiatrie. Sie unterhalten sich dort mit den Patienten und bieten ganz unterschiedliche Freizeitaktivitäten an. In einem anderen Fall hatte sich eine ehemalige Patientin noch Jahre nach ihrer Entlassung in einem von Pfarrerin Fröhlich geleiteten Singkreis engagiert und die Gruppe mit der Gitarre musikalisch begleitet. 

„Der Umgang mit Psychiatrie-Patienten ist selbstverständlicher geworden“, meint Pfarrerin Fröhlich. „Doch Vorurteile gibt es noch immer“. Bei ihren Stationsbesuchen geht sie direkt auf die Patienten zu. Dabei gibt es Situationen, die ihr auch nach all den Jahren als Psychiatrie-Seelsorgerin nachgehen „Es sind zum Teil sehr harte Schicksalsschläge, die Menschen einstecken und ertragen müssen.“ Seelsorge gehörte auch in der Gemeinde zu den Schwerpunkten ihrer Tätigkeit. In der Christusgemeinde engagierte sich Andrea Fröhlich zudem für die Seniorenarbeit oder im ökumenischen Besuchsdienstkreis. „Es gibt einzelne Menschen, an die ich ganz bestimmt zurückdenken werde“, versichert die scheidende Pfarrerin. Und was wird sie in Darmstadt noch vermissen? „Auf dem Heppenheimer Marktplatz sitzen und auf die Starkenburg schauen, das wird mir ab und an fehlen“.

Pfarrerin Fröhlich wird am Freitag, 17. April um 14.00 Uhr, zunächst in der Psychiatrie (Mehrzweckraum) und dann am Sonntag, 19. April um 10.00 Uhr  im Gottesdienst der Christuskirche verabschiedet. Nicht nur die halbe Pfarrstelle in der Christus-Gemeinde auch die halbe Stelle in der Psychiatrie-Seelsorge will das Evangelische Dekanat so schnell wie möglich wieder besetzen.

 

Text u. Foto: bet