09.04.2009 Immer mehr Tafeln sind keine Lösung


Das Evangelische Dekanat Bergstraße hat mehr Unterstützung für Arme angemahnt. Bei einem Meinungsaustausch mit der CDU Bergstraße und dem neu gegründeten Evangelischen Arbeitskreis der CDU, an dem auch der Präses des Dekanats Ried teilnahm, machten Dekanin Ulrike Scherf und Präses Axel Rothermel deutlich, dass die Hartz-4-Sätze nicht mehr ausreichten und erhöht werden müssten.

Präses Axel Rothermel betonte, dass die Tafeln derzeit einen regelrechten Ansturm erlebten. Dort geben ehrenamtliche Helfer  gegen einen symbolischen Betrag Lebensmittel an Bedürftige ab. „Der Skandal ist, dass Tafeln überhaupt nötig sind“, sagte Präses Rothermel. Er erinnerte daran, dass es im Landkreis Bergstraße vor Jahren noch gar keine Tafel gegeben habe. Jetzt seien es drei. Nach Lampertheim, Bensheim und Rimbach sei eine vierte in Bürstadt im Gespräch. Immer neue Tafeln zu gründen, sei keine Lösung. Selbst Menschen, die arbeiteten, hätten mitunter nicht genug Geld für Lebensmittel, so der Präses.

Dekanin Ulrike Scherf appellierte an die Politik, die Tafelarbeit der Kirchen finanziell zu unterstützen. Bislang gebe es nur vereinzelt Zuschüsse auf lokaler Ebene. Die Dekanin sprach sich zudem dafür aus, die finanziellen Mittel im Schul – und Bildungsbereich zu erhöhen. „Insbesondere beim Übergang von der Schule in den Beruf bräuchten junge Menschen mehr Hilfe“, betonte Dekanin Scherf.  Das Evangelische Dekanat  habe  deshalb die so genannten Patenprojekte in Alsbach, Birkenau und Heppenheim mit initiiert, bei denen  Erwachsene als „Paten“ Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützen.  

Dekanin und Präses machten bei dem Gespräch mit der CDU-Bergstraße  auch darauf aufmerksam, dass sich die Lebensumstände der Familien verändert hätten.   Darauf reagiere das Dekanat, indem es die Mehrgenerationenarbeit fördere und vermehrt Familienbildungskurse anbiete. Damit solle der Zusammenhalt der Generationen und  die Erziehungskompetenz von Eltern gestärkt werden. Die 32 Kindertagesstätten der evangelischen Kirche seien offen für alle Kinder unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Herkunft und ermunterten die Mädchen und Jungen, Selbstvertrauen und Sozialkompetenz zu entwickeln.

Forderungen, die Kirchen sollten sich stärker in den Schulen engagieren, steht das Dekanat aufgeschlossen gegenüber. „Wir sind bereit, in die Schulen zu gehen, haben aber auch ein großes Interesse, dass  sich Kinder und Jugendliche in den Kirchen und Gemeindehäusern heimisch fühlen und dass dies auch nach ihrer Schulzeit so bleibt“, erklärte Dekanin Scherf. Dort werde zudem ein integrativer Ansatz verfolgt. Im Konfirmandenunterricht etwa werde nicht nach Gymnasium, Real- oder Hauptschule unterschieden. Es seien vielmehr Schülerinnen und Schüler aus allen Schulformen vertreten.

Präses und Dekanin begrüßten die Initiative der CDU für den Meinungsaustausch und äußerten ihre Bereitschaft, mit weiteren gesellschaftlich relevanten Gruppen ins Gespräch zu kommen.

Text: bet
Foto: geralt / pixelio