23.03.2009 Pfarrer Ulrich Schwemer geht in den Ruhestand


Nach 25 Jahren in der Heppenheimer Christus-Gemeinde geht Pfarrer Ulrich Schwemer in den Ruhestand. Am kommenden Sonntag, zwei Tage nach seinem 65. Geburtstag, werden Pröpstin Karin Held und Dekanin Ulrike Scherf ihn bei einem Gottesdienst feierlich verabschieden.

„Ich werde in kein Loch fallen und ich fühle mich auch nicht ausgebrannt“, beteuert Ulrich Schwemer. Das glaubt man ihm sofort, wenn er mit Leidenschaft und Begeisterung von seiner Arbeit erzählt – etwa dem Konfirmandenunterricht, der gar kein Unterricht in klassischer Form ist. Denn auf Tische und Stühle verzichtet Pfarrer Schwemer. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sitzen oder liegen auf dem Boden. Frontalunterricht findet nicht statt.  „Wir habe den Konfi-Unterricht auf den Kopf gestellt“. Religiöse Inhalte sollen den Jugendlichen in einer altersgerechten Form und mit modernen Methoden näher gebracht werden. Allerdings räumt Ulrich Schwemer angesichts der ungewöhnlichen Sitzordnung ein: „Altersbedingt benötige ich jedes Jahr ein Kissen mehr.“ In den vergangenen 25 Jahren hatte er rund 1000 junge Menschen konfirmiert – die letzten am vergangenen Sonntag.

Nicht nur den besonderen Konfirmandenunterricht auch viele andere Gemeindeaktivitäten hätte es ohne die Ehrenamtlichen so nicht gegeben. „Ich bin nicht der große Zampano“. Die vielfältige Gemeindearbeit, so betont Ulrich Schwemer, sei ohne die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht denkbar.  Die Christus-Gemeinde ist zudem bekannt dafür, dass sie sich gesellschaftlich einmischt und Position bezieht - sei es in Asyl-Fragen oder bei der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus. „Diese Anliegen sind in der Arbeit des Kirchenvorstandes tief verwurzelt“, betont Pfarrer Schwemer.

Nach dem Vikariat in Offenbach, einem einjährigen Spezialpraktikum in Israel und zwei Gemeindepfarrstellen in Frankfurt kam Ulrich Schwemer 1984 nach Heppenheim. „Das eigentlich Faszinierende am Gemeindepfarramt sind die unterschiedlichen Aufgaben und Herausforderungen“, meint der scheidende Pfarrer. „Es ist wie ein Spiegel des Lebens. Ich habe mit allen Generationen zu tun – von der Taufe bis zur Beerdigung.“ Von zentraler Bedeutung ist ihm stets der Gottesdienst geblieben – ganz gleich, ob er traditionell gefeiert oder ob mit anderen Formen experimentiert wird. Pfarrer Schwemer steht auch dafür, die Kirche für Kunst und Kultur zu öffnen - wie kürzlich bei den Nachtklängen.

Ein viertel Jahrhundert in einer Gemeinde ist eine lange Zeit. „Solange man aber neue Ideen hat, ist man nicht zu lange an einem Ort“, sagt Ulrich Schwemer Er hat sich bewusst dafür entschieden, im Ruhestand nicht in Heppenheim wohnen zu bleiben. Sein Nachfolger "soll frei sein, zu entscheiden, wie er seine Arbeit macht, ohne dass der Vorgänger immer präsent ist“. Ulrich Schwemer wohnt bereits in Michelstadt. Im Ruhestand will er sich weiter engagieren - unter anderem im christlich-jüdischen Dialog.

Der Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrer Schwemer beginnt am Sonntag, 29. März, um 10.00 Uhr in der Christus-Kirche.


Text u. Foto: bet