30.11.2009 „So kommen wir gut durch das vor uns liegende Jahr“ - Empfang zum neuen Kirchenjahr


Am Vorabend des 1.Advent haben die beiden evangelischen Dekanate Bergstraße und Ried gemeinsam den Beginn des neuen Kirchenjahres gefeiert. Zu dem Empfang in der Zwingenberger Melibokushalle waren rund 250 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft gekommen. Den Festvortrag hielt  Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff von der Augustana-Hochschule-Neuendettelsdau zum Thema „Reformation und Bildung“.

Die Theologie-Professorin, die zugleich  Präsidentin des Evangelischen Bundes ist, sprach sich für eine umfassende Persönlichkeitsbildung aus und warnte vor einer, so wörtlich,  „Pilawisierung des Wissens“. Bildung könne man nicht allein durch Quiz-Shows erwerben. Schneider-Ludorff erinnerte daran, dass die Reformatoren Luther und Melanchton Bildung zum einen als Gottesdienst verstanden hätten, zugleich hätten sie sich dafür ausgesprochen. sich umfassende Sprach- und Kulturkompetenz anzueignen. Beim protestantischen Bildungsverständnis gehe es um Entwicklung der Persönlichkeit.  „Das braucht Zeit. Nach Bologna ist davon heute nicht mehr viel übrig geblieben“, kritisierte die Theologin die verschulten und auf Effizienz getrimmten Bachelor- und Masterstudiengänge an den Universitäten, auf die sich Bildungsminister aus 29 europäischen Staaten 1999 in Bologna verständigt hatten.

(Bild unten) Prof.Dr Gury Schneider-Ludorff
Der Präses des Evangelischen Dekanats Bergstraße, Axel Rothermel hatte sich zuvor in seiner Begrüßungsansprache kritisch über die Zunahme der Armut und die Einrichtung ständig neuer Tafeln geäußert, die Lebensmittel an Bedürftige abgeben. „Es ist ein Skandal, dass es immer mehr Tafeln geben muss, die Menschen helfen ein menschenwürdiges Leben führen zu können“, sagte Präses Rothermel. Das Diakonische Werk Bergstraße betreibt Tafeln in Lampertheim und in Rimbach. Grußworte sprachen für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Oberkirchenrat Christof Schuster, für den Kreis Bergstraße der 1. Kreisbeigeordnete Thomas Metz und für das Land Hessen  ließ Staatsministerin Silke Lautenschläger, die persönlich nicht anwesend sein konnte, ihr Grußwort  von einem Ministeriumsmitarbeiter verlesen. Musikalisch gestaltet wurde der Empfang zum neuen Kirchenjahr von der Evangelischen Kantorei Ried, die von Heike Ittmann geleitet wurde, sowie vom Posaunenchor Schlierbach unter der Leitung von Heinz Meister.


Bei dem Empfang wurde Gerharde von Burstin aus Jugenheim (Bild unten zweite von links neben Ursula Trippel, Präses Axel Rothermel und Dekanin Ulrike Scherf) mit der Starkenburger Medaille ausgezeichnet. Die Dekanatsstiftung würdigte damit ihr 25jähriges ehrenamtliches Engagement für den Kindergottesdienst. Ihre enthusiastische und unkonventionelle Art Kinder biblische Geschichte zu erzählen, sei die besondere Gabe von Gerharde von Burstin“, sagte die langjährige Kindergottesdienstbeauftragte der EKHN, Pfarrerin Ursula Trippel. Gerharde von Burstin verleite regelrecht dazu, parteiisch zu werden mit den Schwachen.  „Von Dir können Kinder glauben lernen“, sagte die Laudatorin, die jahrelang eng mit der Geehrtenzusammengearbeitet hatte. Auf Gerharde von Burstin treffe dieFeststellung von Erich Kästner zu: „Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch“.



Die Starkenburger Pröpstin Karin Held stellte die Jahreslosung für 2010 vor. „Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich“. In diesem Vers aus dem Johannes-Evangelium stehe das Verhältnis von Glaube und Erschrecken im Verhältnis 2: 1. Wer an Gott glaube und wer an Jesus glaube, der brauche nicht erschrecken. Wer glaube, könne gelassen und ruhig  bleiben.  „So kommen wir gut durch das vor uns liegende Jahr“, sagte Pröpstin Held.


Text: bet.
Fotos: Christian Lechelt