19.11.2009 Besucherandrang zur Chagall-Ausstellung "Fenster zur Bibel"


 Die Bilder von Marc Chagall ziehen Große wie Kleine in ihren Bann. Der Besucherstrom im Heppenheimer Haus der Kirche reißt nicht ab. Die Ausstellung ist nur noch bis einschließlich kommenden Sonntag zu sehen.

„In den Bildern steckt unheimlich viel drin“, meint der 17jährige Philipp. Er besucht mit dem Religionskurs der 12. Klasse des Starkenburg-Gymnasiums in Heppenheim die Ausstellung. Sein Freund Rudi betont: „Ich finde es gut, dass einige Bilder ausführlich erläutert werden“. Dafür ist der Marc-Chagall-Spezialist  Heiner Eberhardt zuständig. Am Beispiel des Arche Noah-Bildes erläutert er, wie der Jude Marc Chagall das Bilderverbot umgangen hat, indem er die Figuren nicht realistisch abbildete. Noah will der Taube Starthilfe geben und steckt dabei seinen rechten Arm aus, an dem seine linke Hand sitzt. Das sind Details, die die Schülerinnen und Schüler begeistern.

„Manche Bilder würde ich mir auch zu Hause aufhängen“,  sagt Vera.  Sie schätzt insbesondere das Bild, das Esther zeigt. Sie hatte nach biblischer Überlieferung das jüdische Volk im Exil gerettet. Die 18jährige Katharina ist ebenfalls beeindruckt, meint aber: „Nicht in jedem Bild kann ich gleich einen Bezug zur Bibel entdecken“.
Marc Chagall war als Jude tief mit der Bibel verwurzelt. Bei vielen der über 70 ausgestellten Original-Lithographien springt der biblische Bezug sofort ins Auge. Es sind „Fenster zur Bibel“ - so der gleichnamige Titel der Ausstellung
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Nach dem Lehrplan wird im Religionsunterricht der 12.Klassen das Thema Christus behandelt. „Wegen der Ausstellung lag es nahe, dass wir dies am Beispiel von Marc-Chagall-Bildern machen“, erläutert Pfarrer Frank Sticksel. Chagalls „weiße Kreuzigung“, die in der Ausstellung zu sehen ist,  hatte er zuvor im Unterricht behandelt. Ein Bild, das der Künstler 1938 unter dem Eindruck brennender Synagogen in Deutschland malte.
 
Die Chagall-Bilder laden zum längeren Betrachten ein. Dann werden auch immer mehr Details sichtbar. Kai, ebenfalls 17 Jahre alt,  meint anerkennend: „Es sind in jedem Fall keine Null-Acht-Fünfzehn-Bilder.“ Sein Mitschüler Stefan findet besonders die Farbkombinationen beeindruckend.

Pfarrer Renatus Keller – im Evangelischen Dekanat für Ökumene und Mission zuständig – war es gelungen, die Ausstellung für eine Woche nach Heppenheim zu holen. Mit der Resonanz ist er mehr als zufrieden: „Es kommen Kindergartengruppen, Schulklassen  und vor allem abends viele Erwachsene. Alle betrachten die Lithographien sehr ausführlich und intensiv. Marc Chagall übt offenbar eine generationenübergreifende Anziehungskraft aus“. Bereits vor Eröffnung der Ausstellung hatten sich allein über 700 Kinder und Jugendliche  zu Führungen angemeldet.

Die Ausstellung wird am kommenden Sonntag, 22. November um 17.00 Uhr mit einer Finissage beendet. Ebenfalls am Sonntag um 10.00 Uhr predigt der Marc Chagall-Spezialist  Heiner Eberhardt im Gottesdienst der Heppenheimer Christus-Kirche. Dabei will er unter anderem das Bild erläutern, das Marc Chagall an seinem Todestag malte und das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist.


Text u. Foto: bet