18.11.2009 Kirchentalk mit Bergsträßer Synodalen


 Die Bergsträßer Kirchensynodalen stehen dem Entwurf für eine Reform der Kirchenordnung reserviert gegenüber. Das wurde bei einer vom Evangelischen Dekanat Bergstraße veranstalteten Podiumsdiskussion, dem „Kirchentalk“ im Gemeindehaus der Heppenheimer Heilig-Geist-Kirche deutlich.  Die Synode, das „Kirchenparlament“ der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) will auf seiner Tagung in der nächsten Woche über die Reform der Kirchenordnung entscheiden.

Der Rimbacher Pfarrer Burkard Hotz, einer von sechs Vertretern des Dekanats Bergstraße in der Kirchensynode, befürchtet, dass die Reform der Kirchenordnung zu einer neuen Hierarchie führen könnte und meinte: „Die kollegialen Leitungsstrukturen seien ein Schatz der EKHN“. Hildburg Baehr erinnerte daran, dass in keiner anderen evangelischen  Landeskirche die demokratischen Strukturen so ausgeprägt seien wie in der EKHN. „Das sollten wir nicht aufgeben“, sagte die Synodale aus Viernheim.

Auch Christian Kupfer, Kirchensynodaler aus Heppenheim, kritisierte den Reformentwurf „Die Kirchenleitung soll erweitert werden, das Gremium wird für mich dadurch viel zu groß.“ Das könnte Entscheidungsprozesse eher erschweren als erleichtern. Erich Nauth aus Zotzenbach will gegen die Reform stimmen. „Die Kirchenordnung ist unser Grundgesetz. Dieses Grundgesetz hat sich über Jahrzehnte bewährt.“ Statt einer großen Reform plädiert Nauth für behutsame Veränderungen.

Änderungen der Kirchenordnung muss die Synode mit Zwei-Drittel-Mehrheit beschließen. Die Bergsträßer Synodalen äußerten sich skeptisch, dass die erforderliche Zustimmung erreicht werde. Auch die Amtsbezeichnung für den Kirchenpräsidenten werde voraussichtlich nicht geändert. Für die Einführung des Bischofsamtes zeichnet sich nach Ansicht der Bergsträßer Synodalen keine Mehrheit ab.

Als größten Erfolg in der zu Ende gehenden Legislaturperiode bezeichneten die Bergsträßer Vertreter die Sonderzuweisungen für die Kirchengemeinden. Die Synode hatte beschlossen, dass die erhöhten Kirchensteuereinnahmen in den Jahren 2007 und 2008 den Gemeinden zu Gute kommen sollen. Insgesamt erhielten sie rund 1,8 Millionen Euro.

Für die voraussichtlich letzte Tagung der Kirchensynode hat das Evangelische Dekanat Bergstraße beantragt, dass die EKHN die Tafelarbeit des Diakonischen Werks finanziell unterstützen soll.  Präses Axel Rothermel, der den Kirchentalk moderierte, fragte nach den Erfolgsaussichten dieses Antrags. Die  Bergsträßer Vertreter wollen sich dafür einsetzen, spüren nach  eigenen Angaben aber auch Gegenwind. Es gebe unter den Synodalen Vorbehalte gegen eine finanzielle Unterstützung, weil dadurch die Kirche Aufgaben übernehme, für die der Staat aufkommen müsse.

Bei der vom Diakonischen Werk Bergstraße betriebenen Tafel in Rimbach sind 360 Bedürftige registriert. Es gibt inzwischen eine lange Warteliste. Wie sich vor Ort Armut darstellt, machte Erich Nauth am Beispiel des Evangelischen Kindergartens in Zotzenbach deutlich. Für 25 der 70 Kinder zahle das Jugendamt die Gebühren, weil die Eltern dafür nicht mehr aufkommen können. Für einige Kinder werde das Mittagessen aus der Kirchenkollekte bezahlt.

Das Foto zeigt von links n. rechts: Christian Kupfer (Heppenheim), Hildburg Baehr (Viernheim), Präses Axel Rothermel, Erich Nauth (Zotzenbach) Burkard Hotz (Rimbach)


Text u. Foto: bet