18.11.2009 Buß- und Bettag - Kirchenpräsident Jung: "Über kollektive Schuldzusammenhänge nachdenken"


 „Der Buß- und Bettag hat nichts von seinem Sinn eingebüßt. Ich bin überzeugt davon, dass es für die Kirche und die Gesellschaft gut ist, einen solchen Tag des selbstkritischen Innehaltens zu haben“. Mit diesen Worten hat der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Dr. Volker Jung die geistliche und öffentliche Bedeutung des heutigen Buß- und Bettages begründet.

Jung wies darauf hin, dass der Buß- und Bettag „nach wie vor ein wichtiger kirchlicher Feiertag“ sei, auch wenn er jetzt nicht mehr als arbeitsfreier Tag gesetzlich geschützt sei. Die meisten Kirchengemeinden hätten reagiert und feierten ihre Gottesdienste und Andachten jetzt abends, meist um 18 oder 19 Uhr, damit möglichst viele daran teilnehmen könnten.

Der besondere Sinn des Buß- und Bettags, so äußerte Jung, sei es „über kollektive Schuldzusammenhänge nachzudenken“. Es werde danach gefragt, „wo wir durch die Art, wie wir leben, als Gesellschaft schuldig werden.“ Als Beispiel nannte Jung die Klimaveränderung: „Durch den Kohlendioxid-Ausstoß tragen wir zur Erderwärmung bei. Dies geht insbesondere zu Lasten der Menschen, die auf der südlichen Halbkugel der Erde leben. Es geht aber auch zu Lasten zukünftiger Generationen.“ Auch die Finanz- und Wirtschaftskrise zeige deutlich die Gefahr, dass die Kluft zwischen arm und reich immer weiter vergrößert werde. Das bringe den sozialen Frieden in Gefahr und vergrößere weltweit die Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen.

Nach diesen Zusammenhängen fragen Christen am Buß- und Bettag. „Dabei“, so sagte Jung wörtlich, „bekennen sie vor Gott ihre Schuld, sie bitten um Vergebung und suchen Wege der Umkehr. Davon versprechen wir uns auch Impulse für Politik und Gesellschaft. Ich bin überzeugt, dass es für Kirche und Gesellschaft gut ist, einen solchen Tag des selbstkritischen Innehaltens zu haben.“

Text u. Foto: ekhn