30.10.2009 Kirchenpräsident Volker Jung: "Macht das evangelische Profil deutlich!"


Am Reformationstag beginnt die Amtszeit der neuen Kirchenvorstände in den 1.174 Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). 10.049 Personen übernehmen dann für sechs Jahre die Leitung der Gemeinden. Sie werden in Gottesdiensten am kommenden Samstag oder Sonntag feierlich in ihr Amt eingeführt.

Die neuen Mitglieder der Kirchenvorstände waren im Juni gewählt worden. Von ihnen sind 58 Prozent (insgesamt 5.853) Frauen und 42 Prozent (insgesamt 4.196) Männer. 571 von ihnen sind unter 30 Jahre alt - knapp 6 Prozent. 5.902 und damit knapp 59 Prozent sind zwischen 40 und 60 Jahre alt. 2.434 und damit fast jeder Vierte ist älter als 60 Jahre. Etwas mehr als ein Drittel (insgesamt 3.598) ist neu gewählt, knapp zwei Drittel (insgesamt 5.607) gehörte bereits für mindestens eine Amtszeit dem Kirchenvorstand an.

Kirchenpräsident Dr. Volker Jung stellte in einem Grußwort zum Tag der Amtseinführung das Motto der Kirchenwahl im Juni heraus. Es lautete: „Evangelisch!“ Prägnanter lasse sich der Auftrag nicht formulieren: „Evangelisch sein, dass es anderen auffällt. Ausrufungszeichen.“ Es sei nun Chance und Aufgabe der Kirchenvorstände, dieses Motto weiter mit Leben zu erfüllen, dem Glauben an das Evangelium von Jesus Christus Gestalt zu geben und evangelisches Profil unverwechselbar deutlich zu machen. Jung fragte dabei: „Was verbinden Menschen mit dem Wort evangelisch? Die Erfahrung von ansteckender Hoffnung oder von ansteckender Ängstlichkeit? Von Freundlichkeit oder von Muffigkeit, von Gastfreundschaft oder Abwehr?“ Das entscheide sich zum großen Teil im Leben der Gemeinden.

Wörtlich schrieb Jung: „Bei aller ökumenischen Offenheit ist heute ein klares evangelisches Selbst-Bewusstsein nötiger denn je, denn Menschen fragen heute klarer und schärfer, warum es die evangelische Kirche eigentlich gibt und warum es gut ist, dazu zu gehören.“ Das Thema Glaube und Religion werde in der derzeitigen öffentlichen Debatte zudem stark von anderen Glaubensgemeinschaften bestimmt. Jung plädierte dafür, „in einem offenen, von gegenseitiger Toleranz geprägten Gespräch“ nicht nur die anderen Überzeugungen genauer kennen zu lernen sondern auch den eigenen Glauben intensiver zu erfahren, zu begreifen und zu leben. Die Frage: Was glaubst du eigentlich? gehöre nicht allein ins stille Kämmerlein, in die traute Familie oder die heimatliche Kirchengemeinde, sondern in die Mitte der Gesellschaft. Wörtlich schrieb Jung: „Wie wir in Wort und Tat Zeugnis von der Hoffnung geben, die ins uns steckt, entscheidet mit darüber, ob wir glaubwürdig und überzeugend auf Menschen wirken, die andere religiöse Überzeugungen haben oder auch gar keine.“ Evangelisch sei: „Fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Krisen, kämpferisch für die Würde der Menschen, voller Vertrauen in die Kraft des Gebetes und offen für die ökumenische Gemeinschaft.“

Im Evangelischen Dekanat Bergstraße waren im Juni dieses Jahres 365  Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher gewählt worden. Davon sind 140 erstmals Mitglied im obersten Leitungsgremium ihrer Gemeinde.

Text: ekhn/red
Foto: bet